Gewalt bei der EM
Die Hooligans sind zurück

In Südfrankreich prügelten sich gewaltbereite Fußballanhänger. In der Hauptstadt sorgt dagegen die Polizeipräsenz für Ruhe. Riskant könnte das Spiel der Deutschen gegen Polen werden. Eindrücke von unserem EM-Reporter.

ParisParis und Marseille trennen ungefähr 780 Kilometer, Luftlinie. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV lässt sich die Distanz in weniger als vier Stunden überbrücken. Doch im übertragenen Sinne trennen Frankreichs größte Städte derzeit Welten. Es ist EM, und während die Hauptstadt sich seit Tagen mit immensem Aufwand in ein stabiles Sicherheitskorsett zwängt, bricht sich in Marseille die Gewalt bahn.

Seit Donnerstag liefern sich in der Hafenstadt an der Côte d’Azur gewaltbereite englische Fußballanhänger regelrechte Schlachten mit ihren russischen Gegenübern, der Polizei, aber auch Franzosen aus dem Umfeld von Olympique Marseille. Im Stade Vélodrome traten am Samstagabend England und Russland gegeneinander an, das 1:1 Endergebnis ist eher für die „Sbornaja“ ein Punktgewinn als die „Three Lions“. Doch die sportlichen Aspekte standen auch an diesem Abend im Hintergrund.

Ausgerechnet im Stadion kam zu einer neuen Eskalationsstufe der Exzesse. Nach Abpfiff stürmten russische Fans die Blöcke der Engländer, es kam zu Jagdszenen in der Uefa-Arena. Fans flüchteten sich aufs Spielfeld, die Sicherheitskräfte konnten nur tatenlos zusehen oder wurden überrannt. Schon während des Spiels wurden Feuerwerkskörper auf den Rängen gezündet. Ein unangenehmer Moment, der zeigte, dass es auch bei diesem Turnier möglich ist, gefährliche Gegenstände in absicherte Bereiche zu bringen.

Die Bilder beherrschten am späten Samstagabend nicht nur die französischen Medien. Die Intensität der Gewalt schockiert und überrascht, obwohl sie nicht überraschen sollte. Die Lage stellt das komplette Sicherheitskonzept für die EM infrage. Nachdem Frankreich zum Auftakt den Terror, die Streiks und Unruhen im Land zumindest zeitweise im Griff zu haben schien, rückt ein dem Fußball ureigenes Problem in den Mittelpunkt: Hooligans.

Schon vor dem Spiel am Samstag kam es zu einem Gewaltausbruch in der Innenstadt Marseilles. Stühle und Flaschen flogen, innerhalb weniger Sekunden eskalierte die Situation derart, dass ein Fan mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus liegt, traktiert mit Eisenstangen. Es sind Szenen, die ganz fatal an die Geschehnisse während der WM 1998, ebenfalls in Frankreich, erinnern.

Damals prügelten deutsche Hooligans den Polizisten Daniel Nivel ins Koma, bis heute ist der Familienvater schwerbehindert. In der Folge wurde, gerade vom DFB, viel gegen das Gewaltproblem unternommen. Dass es im Fußball jedoch allgegenwärtig ist, zeigen die drastischen Bilder der vergangenen Tage.

 

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