Peter Lohmeyer im Interview
„Frankreich ist keine Fußballnation wie Deutschland“

Unser EM-Korrespondent Alexander Möthe hat in Lyon Schauspieler Peter Lohmeyer getroffen. Mit ihm hat er über die Parallelen von Schauspiel und Fußball, den FC Schalke 04 und das, was im Leben wirklich zählt, gesprochen.

Peter Lohmeyer (54) zählt zu Deutschlands profiliertesten Schauspielern. Bekannt wurde er vor allem durch seine Hauptrolle in „Das Wunder von Bern“. Derzeit spielt Lohmeyer in Lyon in Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Für den Fußball-Enthusiasten und, man muss es so sagen, bekennenden Schalke-Fan ist es da umso schöner, dass er in Frankreich das Turnier direkt vor der Haustür hat.

Herr Lohmeyer, mich führt der Fußball nach Frankreich. Was treibt Sie nach Lyon?
Eine Mozart-Oper, „Die Entführung aus dem Serail“. Eine Oper wird immer in Originalsprache inszeniert und gespielt. Ich habe eine wundervolle Sprechrolle ergattert, den Bassa Selim. Als die Anfrage Anfang November kam, hatte ich erst gar nicht auf dem Schirm, dass gleichzeitig Europameisterschaft ist. Da habe ich schon geschaut und festgestellt, dass schon einige Spiele hier vor Ort sind.

Sie schauen die Spiele?
Ja, aber ich schaue gerne leise. Ich muss nicht auf die Fanmeile. Ich gönne allen die Feier, aber ich setze mich gerne ruhig in eine Kneipe und schaue Fußball. Gerade, wenn ich ohnehin zu Gast bin.

Das heißt aber nicht auf dem heimischen Sofa…
Nein, raus, auf jeden Fall. Ich mag es schon, mich mit anderen freuen. Zuletzt mit den Belgiern, als die endlich aus dem Quark gekommen sind. Lyon gilt ja auch als sehr leckere Stadt, das lässt sich gut verbinden.

Ist denn hier in Lyon mehr EM-Stimmung? In Paris war von Euphorie außerhalb der Frankreich-Spiele wenig zu spüren.
Hier sind nicht nur Fans aus ganz Europa, hier sind ganz viele verschiedene Nationen und Kulturen in der Stadt vertreten. Insofern ist schon immer etwas los, ja. Ich empfinde es vielleicht auch intensiver, weil die Oper in einem Viertel liegt, wo ich direkt mitbekomme, wenn die Belgier oder Italiener richtig Stimmung machen. Aber Frankreich ist keine Fußballnation in der Form, wie es Deutschland ist. Das war mir ein bisschen, aber nicht so richtig klar, bevor ich hergekommen bin.

Inwiefern? König Fußball regiert nicht?
Frankreich hat eine ganz andere Sportkultur. Im Norden ist Rugby ganz groß, irgendwie fängt das mit der Fußballbegeisterung erst ab Paris an. PSG ist erst seit ein paar Jahren Serienmeister, im Süden ballt es sich: St. Etienne, Marseille, Monaco, und auch Olympique Lyon war ja Serienmeister. Aber selbst hier sehe ich viele Restaurants, wo eben kein Fernseher steht, wenn Frankreich spielt.

In Paris war ich im Restaurant, während die Grande Nation gegen Albanien spielte. Da stand ganz hinten ein Fernseher, zu dem ich immer geschlichen bin. Mit mir haben da vielleicht zwei andere Gäste draufgeschaut. Insofern ist das bei uns schon eine andere Intensität.

Ist das für Sie gut oder schlecht? Braucht man beim Proben-Marathon auch mal Ablenkung?
Ich muss nicht jeden Abend Fußball haben. Manchmal habe ich nichts anderes im Kopf als meine Arbeit, oder möchte einfach nur durch mein schönes Viertel spazieren. Schlussendlich ist Fußball nicht alles. Und wenn man ihn haben will, kann man ihn haben.

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