Polnische Fans in Paris
„We are here to make love!“

Die Polizei ist beim Hochrisikospiel Deutschland-Polen schwer gerüstet. Die meisten Fans stört es nicht. Sie feiern den Punkt gegen die DFB-Elf wie einen Sieg. Die Nacht in Paris fängt für sie gerade erst an.

ParisMan kann den Parisern ja viel vorwerfen. Dass sie den Straßenverkehr zu einem anarchistischen Spiel ohne jede Regel gestalten, etwa. Oder das sie in vollem Galopp mit der Schulter voran eine Menschengruppe zersprengen, um sich mit einem alles entschuldigenden „pardon“ aus dem Staub zu machen. Und dass sie mitunter so tun, als sprächen sie keinen Brocken Englisch. Eins, ja eins kann man ihnen nicht vorwerfen: Sie würden nicht zuhören.

Die Partie Deutschland gegen Polen im französischen Nationalstadium Stade de France bot am Donnerstagabend zwar Defensivreihen auf höchstem Niveau an, ansonsten beschreibt der Euphemismus „höhepunktarm“ das Spiel wohl am treffendsten. Die EM hat endlich ein 0:0. Deutschland muss gegen Nordirland gewinnen. Joachim Löw hatte, wie auf der Pressekonferenz tags zuvor angekündigt, etwas Dunkles gegen Schweißflecken an und griff sich, ebenfalls wie angekündigt, nicht in den Schritt.

Das schönste Resümee des Spieltags ist, neben der Feststellung „noch hat Polen nicht verloren“, allerdings, dass die Risikopartie der höchsten Kategorie (3) fast absolut friedlich verlaufen ist. Ja, die Polen zündeten einen Feuerwerkskörper, und ja, ein Kanonenschlag aus der gleichen Ecke hat den Autor fast sieben Monate nach den Terrorangriffen von Paris unwillkürlich zucken lassen.

Und ja, am Pariser Nordbahnhof ließen sich die, nach der Kluft zu urteilen, selben Krawallidioten nieder, die am Sonntag schon „Fang den Ukrainer“ gespielt hatten. Das Wichtigste jedoch: Bis zum frühen Freitagmorgen war von Hooligan-Kämpfen weit und breit nichts zu sehen.

Das, und hier kommen wir zum eingänglichen Zuhören zurück, ist der Vorgehensweise der französischen Behörden zu verdanken. Denn Paris ist für die Polizei quasi ein Heimspiel, egal ob Demonstranten, Aufrührer oder randalierende Fans – die gut gerüstete Eingreiftruppe der Polizei zeigt wahrscheinlich jedem Angreifer die Grenzen auf.

Die Grenzen waren für einige deutsche Mitreisende relativ schnell erreicht, nämlich am Gare du Nord. Während draußen ein Platzregen die Menschen, die die Polizei nicht zurück in die Bars getrieben hatte, zur Einkehr zwingt, wird der Vorplatz ein wenig gefegt. Ob hier nur maßlos gesoffen wurde oder wieder Dosen geflogen sind, lässt sich da nicht mehr beurteilen.

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