Zwischenbilanz der EM
Wenig Einsatz, viel Gewinn

Die EM in Frankreich ist torarm und wenig spektakulär. Schuld daran ist auch das neue Turniersystem: Es reicht schon der kleinste Aufwand, um ins Achtelfinale einzuziehen. Eine erste Zwischenbilanz.

Zahlen haben im Fußball nur eine begrenze Aussagekraft. Das zeigt sich immer wieder, wenn Überraschungsteams und unerwartet stark aufspielende Spieler allen Vorhersagen und Statistiken – im wahrsten Sinne des Wortes – einen Strich durch die Rechnung machen. Und doch sind Zahlen immer wieder ein sinnvolles Mittel, wenn sie einen erkannten Trend belegen gar verstärken: Nachdem alle Teams zwei Spiele bei der laufenden Fußball-Europameisterschaft in Frankreich absolviert haben, lässt sich auch nach Betrachtung der Statistik festhalten: Im gegnerischen Strafraum war es schon mal deutlich spektakulärer.

Alles war angerichtet in Toulouse für ein sehenswertes Spiel zwischen Italien und Schweden in der Gruppe E am Freitagmittag. Die Italiener waren mit einem überzeugenden Sieg gegen Belgien ins Turnier gestartet, die Schweden um Superstar Zlatan Ibrahimovic nach einem mageren Remis gegen Irland unter Zugzwang. Doch es entwickelte sich eine derart unansehnliche Partie, die selbst für Taktik-Feinschmecker mit dem Wort „schwere Kost“ nett beschrieben ist. Kaum Tempo, kaum Spielwitz, kaum Strafraumszenen – Rasenschach im großen Stil. Die englische Fußball-Legende Gary Lineker erkannte via Twitter: „Dieses Spiel ist Schrott.“

Es ist ein Trend, der sich durchzieht durch viele Spiele. Die Teams agieren enorm vorsichtig und konzentrieren sich auf ihre Defensivaufgaben. Das Tempo im Spiel nach vorn wird häufig bewusst verschleppt, das Geschehen beruhigt sich. Viele Spiele sind lange Zeit offen, denn die Teams scheinen ebenbürtig. Es sei ein „Turnier der engen Spiele“, bilanzierte etwa Mario Götze. Bundestrainer Jogi Löw spricht von „Abnutzungskämpfen“.

Diese Tendenz hängt vor allem mit dem neuen Modus der Europameisterschaft zusammen. Erstmals findet eine Endrunde mit 24 Teams statt – aus diesem Grund sind auch mehr Mannschaften dabei, denen eine Teilnahme in der Vergangenheit nicht zugetraut wurde. Das Turnier wird bunter. Die vermeintlichen Underdogs setzen auf ihre Tugenden und überzeugen durch kompromisslose Defensivarbeit und hohen Einsatz. „Die sogenannten Kleinen machen, was sie am Besten können, nämlich verteidigen“, sagt Löw. „Konditionell sind sowieso alle auf der Höhe.“

Mit Erfolg – Island, Ungarn und Wales haben allerbeste Chancen aufs Achtelfinale, Rumänien, Albanien und Nordirland sind ebenfalls noch im Rennen. Die Europameisterschaft ist nach zwei kompletten Spieltagen der Vorrunde ausgeglichener denn je. Die haushohen Favoriten tun sich teilweise sehr schwer gegen die kompakten Defensivreihen ihrer Gegner. Das spricht für die vermeintlichen Außenseiter – geht allerdings zu Lasten der Attraktivität der Spiele.

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Wenig Einsatz, viel Gewinn

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Ansehnlich, aber wenig spektakulär

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