Deutschland schlägt Kanada
Souveräner Zittersieg zum WM-Auftakt

Die deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen hat einen gelungenen Start in die Heim-WM hingelegt. Zum Auftakt des Turniers schlug das Team von Bundestrainerin Silvia Neid Kanada vor der europäischen Rekordkulisse von 73.800 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion mit 2:1 (2:0) - und gestaltete die Partie dabei am Ende unnötig spannend.
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BerlinBundestrainerin Silvia Neid wartete mit einer 4-2-3-1 Formation auf und sorgte damit für eine Überraschung. Opfer dieser unerwarteten Taktik war Torjägerin Inka Grings, die sich auf der Bank wiederfand. Stattdessen stießen Birgit Prinz und Celia Okoyino Da Mbabi, die 22-Jährige Aufsteigerin der Vorbereitungsphase, abwechselnd in die Spitze vor. Auch Lira Bajramaj hatte das Nachsehen, Melanie Behringer rückte auf diel linke offensive Mittelfeldposition.

Während bei den Herren Auftaktspiele oftmals von taktischer Zurückhaltung geprägt sind, ging es in Berlin von der ersten Minute an zur Sache. Kanada versuchte mit Pressing den Offensivdrang der Deutschen zu bremsen. Doch auch Deutschland störte früh und brachte die Gegnerinnen schnell in arge Bedrängnis. Melanie Behringer und Kerstin Garefrekes marschierten voran und machten klar, in welche Richtung sich das Spiel entwickeln sollte. Die erste dicke Chance gehörte aber Kanada: Ballverlust, Doppelpass - und plötzlich war Kanadas Superstar und Spielführerin Christine Sinclair auf der rechten deutschen Abwehrseite durch. Allein vor Nadine Angerer hob sie die Kugel über das Tor – das hätte die Führung sein müssen (6.). Es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass sich die rechte deutsche Abwehrseite verwundbar zeigte.

Die Kanadierinnen bemühten sich in der Folge, etwas strukturierter nach vorne zu spielen. Doch das deutsche Mittelfeld hielt dagegen und Behringer und Garefrekes trieben die DFB-Auswahl ihrerseits nach vorne - und sorgten auch für Torgefahr: Behringers Ball in die Mitte verwertete Garefrekes nach neun Minuten fast optimal, ein starker Reflex von Torhüterin McLeod rettete Kanada jedoch vor dem Rückstand – vorerst. Denn nur Sekunden später fand die Flanke von Babett Peter im Strafraum die Stirn der Nummer 18: Garefrekes köpfte zum verdienten 1:0 ein - es war der erhoffte Start nach Wunsch und die Fans im Olympiastadion waren schier aus dem Häuschen.

Ruhe kehrte durch das Tor aber erst einmal nicht ein. Der Ball zirkulierte bei beiden Teams kaum, viele Pässe wurden zu unpräzise gespielt. Die Kanadierinnen vermittelten aber auch in Rückstand liegend nicht den Eindruck, vorgeführt werden zu können. Für zwingende Chancen sorgten allerdings überwiegend individuelle Fehler. So brachte Celia Da Mbabi Kanadas Schlussfrau Erin McLeod arg in Bedrängnis, als niemand außer der Deutschen versuchte, eine Rückgabe zu erlaufen.

Auf der Gegenseite machten die Nordamerikanerinnen ausgerechnet die routinierte rechte deutsche Abwehrseite mit Linda Bresonik und Annike Krahn als Schwachstelle aus und wussten sich einige Male gefährlich durchzusetzen. Die Statistik spricht allerdings für die Innenverteidigung der DFB-Elf: Kein einziger gegnerischer Schuss ging in Halbzeit eins aufs Tor. Haarscharf war es jedoch direkt mehrfach, so zum Beispiel in der 21. Minute, als Bresonik eine Hereingabe praktisch von der Linie kratzte. Weil von den Deutschen abgesehen von Krahns sehenswertem Drehschuss in der 16. Minute nichts Zwingendes zu sehen war, gehörte die Mitte der ersten Hälfte eher den Kanadierinnen, die aus 54 Prozent Ballbesitz jedoch nichts Zählbares herausschlagen konnten.

Erst in der Schlussviertelstunde vor der Pause kam das Neid-Team wieder besser ins Spiel und agierte vor allem bei schnellen Gegenstößen gefährlich. Doch im Abschluss fehlten Kim Kulig (Kopfball/32.), die mit andauerndem Spiel immer besser wurde, Melanie Behringer nach starker Einzelleistung (34.) und Da Mbabi nach feinem Pass in den Lauf die letzte Konsequenz.

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