DFB-Kapitänin Birgit Prinz
Wie ausgewechselt

Sie ist die erfolgreichste Fußballerin aller Zeiten. Doch vor dem Frankreich-Spiel muss Birgit Prinz um ihren Platz zittern. Ausgerechnet bei ihrer Abschieds-WM ist die einstige Problemlöserin zum Problemfall geworden.
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DüsseldorfSie hat die Ellbogen auf die Knie gestützt, den Rücken gebeugt, ihr Blick geht geradeaus auf das Spielfeld und doch ins Nichts. Birgit Prinz ist in diesem Augenblick ganz allein mit ihrer Enttäuschung – und Millionen Menschen sehen ihr dabei zu. Die Grasflecken auf ihren Stutzen, die zusammengekniffenen Lippen, ihre wie zum Gebet gefalteten Hände werden für die 48.817 Zuschauer auf den riesigen Videowürfel des Frankfurter Stadions projiziert, das Fernsehen sendet dasselbe Bild quer durchs Land. Der Anblick der traurigen Frau auf der Auswechselbank ist in diesem Augenblick am Donnerstagabend spannender als alles, was die Nationalmannschaften von Nigeria und Deutschland auf dem Rasen bieten könnten.

Und die Gefühle von Birgit Prinz, die ihr Innenleben immer beschützen und verstecken wollte, sind plötzlich so öffentlich wie noch nie.

Sie wolle diese Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land, ihr letztes großes Turnier, bewusst genießen, hat Birgit Prinz vor kurzem gesagt. Sie ist 33 Jahre alt, sie führt die deutsche Mannschaft als Kapitänin auf das Feld, drei Mal ist sie zur Weltfußballerin des Jahres gewählt worden. Die WM sollte der krönende Abschluss einer Karriere sein, die längst keine Krönung mehr braucht. Birgit Prinz ist die erfolgreichste Fußballspielerin aller Zeiten, sie hat fast alles gewonnen, was man im Fußball gewinnen kann. Nicht aber die Herzen der Menschen, aber darauf kam es ihr nie an. Ihre Privatsphäre war ihr immer wichtiger – und der Erfolg auf dem Fußballfeld.

Jetzt ist sie in zwei Spielen zwei Mal ausgewechselt worden, sie hat nicht gut gespielt, das weiß sie selbst am besten. Bevor sie in Frankfurt vom Platz geht, pfeffert sie einer Mitspielerin die Kapitänsbinde vor die Brust, danach klatscht sie die Auswechselspielerin so hart ab, als wollte sie ihr die Hände brechen. Die Zeitungen schreiben jetzt von Demontage, Demütigung, vom Absturz, vom Problem Birgit Prinz.

Ein Problem war sie noch nie, sie war immer die Lösung. Schon in ihrem ersten Länderspiel vor fast 17 Jahren hat sie das Siegtor geschossen, damals war sie 16 Jahre alt. Seitdem stand Birgit Prinz bei 214 Länderspielen auf dem Feld und hat dabei 128 Tore geschossen, sie ist deutsche Rekordnationalspielerin und Rekordtorschützin. Aber Rekorde interessieren Birgit Prinz nicht. Es hat sie auch nicht interessiert, was über sie geredet wird. Sie wollte immer nur gewinnen – und danach ihre Ruhe haben.

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