Feste Größe bei DFB-Frauen
Garefrekes bleibt auch nach ihrer Gala bescheiden

1:0 erzielt, 2:0 vorbereitet, 3:0 auf fast unglaubliche Weise vergeigt - der WM-Auftakt hatte für die überragende deutsche Nationalspielerin Kerstin Garefrekes das komplette Gefühlsspektrum im Programm. Doch das Schicksal von Mario Gomez muss die deutsche Mittelfeldfrau wohl kaum fürchten.
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BerlinEs hätte das perfekte Spiel für die offensive Mittelfeldfrau werden können - wäre da nicht diese 66. Minute gewesen. Völlig frei stehend hatte sie den Ball aus sechs Metern über das leere Tor geschaufelt und so das wohl entscheidende 3:0 vergeben. Doch schon wenige Minuten nach dem Spiel am Sonntagabend konnte Kerstin Garefrekes über ihr Missgeschick schmunzeln. „Ein bisschen“ habe sie an Mario Gomez gedacht, berichtete sie vor der kargen Betonwand im Bauch des Berliner Olympiastadions über die Szene beim 2:1 (2:0) von Deutschlands Fußball-Frauen gegen Kanada zum WM-Auftakt, die sogar die Bundeskanzlerin auf der Ehrentribüne die Hände vor das Gesicht und den Bundespräsidenten seine zumeist perfekt liegenden Haare raufen ließ. „Das war eine Tausendprozentige. Wenn man die vergeigt, ist das kein schönes Gefühl“, gab die 31-Jährige zu.

Doch anders als der heutige Bayern-Stürmer, der sich bei der EM 2008 in Wien gegen Österreich aus drei Metern blamiert hatte, verließ Garefrekes die Arena mit einer Urkunde statt mit einem Tor-Trauma im Gepäck. Vor ihrem Aussetzer verdiente sie sich nicht nur mit ihrem 42. Länderspieltor im 127. Einsatz zum 1:0 (10. Minute – „Der Ball kam in meine Richtung geflogen – da dachte ich dann: Ok, da muss ich dann mal hin.“ ) und einem langen Pass zum 2:0 von Celia Okoyino da Mbabi (42.) die Ehrung als „Spielerin des Spiels“. „So eine Auszeichnung ist schön, aber nicht das Wichtigste an so einem Tag“, meinte die Mittelfeldspielerin trotz ihres Gala-Auftritts mit kleinem Makel bescheiden.

Mehr noch als die Auszeichnung hatte sie das Erlebnis genossen, das das Eröffnungsspiel vor der europäischen Rekordkulisse von fast 74.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion ich und ihren Teamkameradinnen zu bieten hatte. „Es war schon ein besonderes Spiel und ein unbeschreiblicher Moment vor so einer Kulisse zu einem WM-Eröffnungsspiel im eigenen Land ins Stadion einzulaufen“, beschrieb sie ihre Gefühlswelt am Montag, nachdem sie eine Nacht über den für sie wie den gesamten Frauenfußball so beeindruckenden Erlebnisse geschlafen hatte. Und so überwog denn auch die Freude über den Sieg deutlich den Ärger über den bemerkenswerten Fehlschuss, aus dem sie auch keine große Sache mehr machen will: „So ist das halt im Sport. Es ist immer so, dass man nicht alle Chancen reinmachen wird. Das muss man abhaken – und weitermachen.“

Und dass sie auch gegen Nigeria am kommenden Donnerstag in der Startelf weitermachen darf, daran herrscht nach diesem formidablen Auftritt eigentlich kein Zweifel. Doch die 1,79 Meter große Mittelfeldspielerin bleibt auch im Erfolg bescheiden und verzichtet darauf, große Ansprüche nach außen zu tragen. „Die Bundestrainerin wird immer nach dem Leistungsprinzip aufstellen, und wir haben einen sehr ausgeglichenen Kader. Von daher muss jeder täglich im Training seine volle Leistung abrufen, auch ich.“

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