WM-Aus gegen Japan
Der Schock sitzt tief

Völlig unerwartet ist die Heim-WM für die DFB-Frauen bereits nach dem Viertelfinale beendet. Das Turnier verliert damit seine größte Attraktion - und Deutschland nebenbei auch die Qualifikation für Olympia 2012.
  • 3

Wolfsburg„Dritte Plätze sind etwas für Männer“: Mit dieser offensiven Werbebotschaft ging die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft in die Weltmeisterschaft im eigenen Lande. Der Slogan wurde im Vorfeld, auch aus eigenen Reihen, kritisiert – unter anderem wegen der Erwartungshaltung, die er aufbaut. Implikation: Nur der Titel zählt. Am späten Samstagabend in Wolfsburg wirken diese Worte wie Hohn. Die DFB-Damen sind ausgeschieden, die Spielerinnen kämpfen, meist erfolglos, mit ihrer Fassung. Fußballdeutschland blickt fassungslos in den niedersächsischen Nachthimmel.

Nein, märchenhaft war das wirklich nicht, was sich da 120 Minuten lang auf dem Rasen, der nur Zwischenstation sein sollte, zugetragen hat. Zumindest nicht aus deutscher Sicht. Der 1:0-Sieg Japans gegen den großen Favoriten Deutschland hat für den Weltranglistenvierten aus Fernost tatsächlich surreale Züge. 23 zu 9 Torschüsse stehen nach Spiel für die Gastgeber zu Buche – getroffen aber hatte nur Karina Maruyama.

Das viel-, falsch- und überzitierte „Sommermärchen“ findet damit ein unerwartetes, aber umso brutaleres Ende. Nicht nur Japans Superstar Homare Sawa und Trainer Norio Sasaki sind von dieser Entwicklung „überrascht“ – beide geben nach dem Spiel diesen Gemütszustand als erste Reaktion auf den Siegtreffer an.

Es ist ein Abend, an dem kein Spielraum für unvorhergesehene Ereignisse eingeplant ist. Warum auch, im ersten Viertelfinale scheitert England im Elfmeterschießen, bereits vor dem Spiel ist klar, dass Silvia Neid nicht die Elf aus dem starken Frankreich-Spiel bringen wird und in der Arena befürchtet niemand auch nur eine Verlängerung – geschweige denn eine Niederlage gegen den asiatischen Außenseiter.

Dass etwas nicht stimmt, wird schon nach vier Minuten klar. Kim Kulig hat die erste gute Chance des Spiels – und scheidet verletzt aus. Kreuzbandriss, nach einem Kopfball. Kein gutes Omen. Trainerin Neid bringt Bianca Schmidt. „Das war ein echter Schock für uns“, erklärt die Bundestrainerin später. Die plante fest mit Kulig, die im letzten Gruppenspiel wegen drohender Gelbsperre nicht zum Einsatz kam: „Sie ist eine Spielerin, die sehr leicht den Ball erobert und den tollen Pass in die Tiefe spielt. Geholfen ins Spiel zu kommen hat uns ihr Ausfall sicher nicht.“

Kommentare zu " WM-Aus gegen Japan: Der Schock sitzt tief"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • wieso bringen Sie meine Kommentar nicht, der war lange vor horseman und war voll in den Community Richtlinien, was ich von Harry und horseman nicht behaupten kann.
    Tessa

  • Neid muß zurücktreten.
    Wer die Spiele gesehen hat, keine Spielkultur, ein-und auwechselungen dilettantisch,keine Führungsperson und unsympathisch. Ich muß in diesen Tagen immer wieder an den großen Theater-Intendanten Max Liebermann denken, der über bestimmte Entwicklungen in der Politik immer den Satz formulierte: Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte, wenn ich sie sehe. Doch was für den einen Menschen mangelnde Fach- und Sachkenntnis ist (Neid) ist, ist für den anderen nur ein simpler Aggressionsmechanismus.Jagd sie als Trainerin zum Teufel.

  • Eine Attraktion sind die deutschen Frauen ganz sicher nicht. Attraktiv sind die USA, Frankreich oder Schweden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%