Anstoß - Die WM-Kolumne
Auch mal die Blutgrätsche riskieren

Das Interesse an der Frauen-WM ist trotz wohlwollender Berichterstattung weit entfernt von Euphorie. Bezeichnend: Aus falsch verstandener Höflichkeit wird gern nicht ganz ehrlich berichtet.
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DüsseldorfSag mir, wo die Fahnen sind? Wo sind sie geblieben? Gut, Marlene Dietrich und Joan Baez haben über den Krieg, nicht über den Fußball gesungen. Aber legitim ist die Frage dennoch. Deutschland, vor kaum einem Jahr: Schwarz-Rot-Gold weht an jeder Ecke, auf vielen Autos und die Vuvuzela wird zum Volksinstrument. Die DFB-Elf stürmt mit sensationellen Siegen ins Halbfinale, lässt aber ausgerechnet dort den Killerinstinkt vermissen. Egal, war super. Noch ausgeprägter war das Jubelverhalten im Jahr 2006, schließlich war da die Welt zu Gast bei Freunden. Und 2011? Da präsentiert sich „20Elf von seiner schönsten Seite“.

Dass Frauenfußball in Deutschland nicht den Stellenwert genießt, den er verdient hätte, ist eine alte, lange und stellenweise zu Genüge geführte Debatte. Was in Deutschland jedoch angesichts der Heim-WM passiert, ist schlimmer als Nichtbeachtung – es ist Höflichkeit.

Anders als die Herren geht die DFB-Elf der Damen als Top-Favorit in das Turnier, als Titelverteidiger und weltbeste Mannschaft. Anders als bei den Herren wird nicht jeder Ballverlust im Mittelfeld auf die sprichwörtliche Goldwaage gelegt. Warum nicht?

Beim Algarve-Cup 2010 lief es für Deutschland so überhaupt nicht rund. Der Wechsel von Fatmire Bajramaij hätte im Herrenfußball womöglich zu „Koane Bajramaij“-Plakaten geführt. Sind die Damen von Turbine Potsdam die „Champions League Versagerinnen“? Nein. Denn es wäre unhöflich, schlecht über den Frauenfußball zu reden. Dem muss schließlich auf die Beine geholfen werden, da muss um jeden Fan und jedes Nachwuchstalent gekämpft werden. Große Seifenopern wie bei den Herren? Fehlanzeige. Die Damen werden in Watte gepackt.

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