Anstoß – Die WM-Kolumne
Der Tag, an dem ich mich in Célia Okoyino da Mbabi verliebte

Eine Spielerin im deutschen Team hat es dem Autor dieser Kolumne ganz besonders angetan. Nicht nur, weil sie verdammt gut Fußball spielt, sondern auch weil sie und ihre Generation eine schwere Aufgabe bewältigt haben.
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Der Tag, an dem ich mich endgültig in Célia Okoyino da Mbabi verliebte, war ein Sonntag. Genauer gesagt: Der vergangene Sonntag. Deutschland spielte sein Auftaktspiel gegen Kanada und ganz vorne lief – etwas überraschend – statt der Tormaschine Inka Grings die Deutsch-Kamerun-Französin mit dem klangvollen Nachnamen auf.

Und wie: Von der ersten Minute an wirbelte die zu diesem Zeitpunkt noch 22-Jährige die Abwehr durcheinander und zerstörte ganz nebenbei auch das Image der deutschen Fußballfrauen. Sie tat es nämlich lächelnd – und trotzdem im entscheidenden Moment eiskalt.

Überhaupt, eigentlich sieht man Okoyino da Mbabi nie ernst. Die gebürtige Bonnerin lächelt immer, beim Krafttraining, bei sinnlosen Journalistenfragen, sogar bei Auswechselungen. Dabei wirkt sie aber nie unecht oder anbiedernd, sondern immer als gäbe es einfach keinen Grund, nicht zu lächeln.

Über die sportlichen Qualitäten der DFB-Auswahl ist bereits genug geschrieben worden und wird in den kommenden Wochen hoffentlich weiterhin viel berichtet. Aber – und da ist wieder der ungeliebte Vergleich – die deutschen Frauen haben, ebenso wie ihre männlichen Kollegen im vergangenen Jahr, mehr geschafft. Sie stehen für eine neue Generation in Deutschland, eine die das alte Klischee des ernsten, kraftbetonten „German Fräulein“ endgültig begräbt.

Sie – und dazu gehören neben Okoyino da Mbabi unter anderem auch Alexandra Popp, Kim Kulig, Lira Bajramaj und Simone Laudehr – machen es einem einfach, mit dem deutschen Team mitzufiebern. Und das ist die Grundvoraussetzung für eine schöne WM.   

In leichter Abwandlung des amerikanischen Sprichworts praktiziere ich also ab sofort das Prinzip „Love the Player and the Game”. Und Célia: Ich würde sogar Deinen Nachnamen annehmen.

Patrick Kleinmann
Patrick Kleinmann
Handelsblatt Online / Freier Journalist

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