Anstoß - die WM-Kolumne
Kamelle, de Prinz jeht

Birgit Prinz geht vom Platz und alle jubeln - eine Szene, die so passiert, aber trotzdem nicht ganz richtig ist. Die Auswechslung - Götterdämmerung im DFB-Team? Nein - zumindest noch nicht.
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„Jetzt geht’s los!“ skandieren 48.000 Zuschauer in der Commerzbank-Arena, Verzeihung, im WM-Stadion Frankfurt. Es ist die 55. Minute und gerade wurde Birgit Prinz ausgewechselt. Das hat kausal nichts miteinander zu tun. Denn das Publikum feiert den deutschen Führungstreffer gegen Nigeria, nicht die Auswechslung der Fußballikone. Dass der ausgerechnet unmittelbar mit dem Abgang von Prinz zusammen fällt, ist in mehrerlei Hinsicht bezeichnend.

Prinz, die Königin und potenzielle Kaiserin des deutschen Frauenfußballs, rauscht schnaubend vom Platz. Beschweren kann sie sich über ihre Auswechslung eigentlich nicht, ihr Auftritt gegen die Holzhackertruppe aus Nigeria war indiskutabel. Jedes Laufduell verloren, einfache Bälle ins Nichts befördert, Stockfehler gemacht, Torgefahr gleich Null. Natürlich hat auch die offiziell zweitbeste Kickerin der Welt des vergangenen Jahres ordentlich auf die Schluffen bekommen. Was fehlte, war der entscheidende Impuls, das, was im anglisierten Neudeutsch einen „Aggressive Leader“ ausmacht. Die Spielführerin schwang den Taktstock zu einer Musik, die nicht gespielt wurde und vor einem Orchester, das nur von einigen wenigen Solisten in die nächste Runde des Bandwettbewerbs geführt wurde.

Wohl dem, der Birgit Prinz auswechseln kann. Die nominell beste Spielerin (Prinz) vom Platz holen und dafür die statistisch erfolgreichste Bundesliga-Torjägerin (Grings) in den Kampf zu schicken – das ist Luxus, mit dem die Bundestrainerin Neid (Vorsicht, Wortspiel!) erregt. Selbige wird jedoch den Teufel tun und im laufenden Turnier im Getriebe des Teams herumpfuschen. Sprich: Trotz einsetzender Götterdämmerung kommt der Generationenwechsel erst nach der WM, wenn Prinz ihren Platz ohnehin freiwillig räumt.

Gegen Kanada spielte das Team ohne sie zwar deutlich besser, kassierte jedoch einen Treffer. Gegen Nigeria spielte das Team ohne Prinz weiter wie bisher, aber erzielte – dank Grings’ Vorarbeit – ein Tor. Das ist eine Tendenz, kein Abschlusszeugnis. Und als Bundestrainerin muss man ja auch nicht jeden Ratschlag befolgen, den einem Fußballdeutschland gibt (nicht wahr, Herr Löw, Herr Klose?).

Fakt ist, dass beide Spiele der deutschen Mannschaft verbesserungswürdig waren, unterm Strich gibt es für Neid jedoch keinen triftigen Grund, es zumindest im abschließenden Gruppenspiel nicht noch einmal mit der Kapitänin in der Startelf zu probieren. Warum? Solange das Modell nicht in einem Punktverlust endet, wäre die Demontage der Spielführerin kein Zeichen, sondern ein Unruheherd. Und Birgit Prinz ist verdammt noch mal Birgit Prinz.

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