Aufstieg des Frauenfußballs
Nieder mit der Porzellan-Prämie

Ein Kaffeeservice als Titelprämie? Frauenfußball leidet seit Jahrzehnten unter Mangel an Respekt. Das Umdenken ist noch lange nicht abgeschlossen und der Weg dorthin steckt voller skurriler Anekdoten.
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BonnVor gut 20 Jahren spielte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft noch für ein Kaffeeservice. Diese Siegprämie gab es vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für den Europameistertitel 1989. Immerhin war es der erste große internationale Erfolg eines offiziellen DFB-Teams. Doch die DFB-Oberen geizten. Das weiße Porzellan mit zarten blauen und roten Blüten war nicht nur peinlich, sondern obendrein nur zweite Wahl: „1-b-Ware“ aus dem Hause Villeroy & Boch. Darüber können die heutigen Kickerinnen nur lächeln: Für den Gewinn des WM-Titels im eigenen Land würde jede Spielerin eine Prämie von 60.000 Euro erhalten.

Nicht nur das hat sich geändert. Aus dem früher bespöttelten „Damen“-Fußball wurde professioneller Frauenfußball mit athletischen, konditionsstarken und taktisch gut geschulten Spielerinnen. Es gibt neben EM und WM sowie einem Olympia-Turnier auch eine Bundesliga und eine Champions League. Liveübertragungen von Länderspielen sorgen für ein Millionenpublikum. Inzwischen gibt es nach DFB-Angaben 13.420 Frauenfußballteams in Deutschland.

Blick zurück: In Taiwan wurde 1981 erstmals eine inoffizielle Weltmeisterschaft ausgetragen. In Deutschland gab es zu dieser Zeit aber noch kein Nationalteam. Der DFB schickte kurzerhand den deutschen Meister SSG 09 Bergisch Gladbach nach Fernost. Allerdings ohne jede finanzielle Unterstützung. „Der Verein musste die Flüge zahlen, die Spielerinnen nahmen ihren Jahresurlaub“, berichtet die Historikerin Bettina Bab, die sich für eine Ausstellung im Bonner Frauenmuseum in die Geschichte des Frauenfußballs vertieft hat.

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