„Blattitüden“
Wie der Fifa-Chef als Frauenversteher versagt

Sepp Blatter ist ein großer Förderer des Frauenfußballs. Zumindest sieht sich der Fifa-Boss selbst gerne in dieser Rolle. Doch mit seinen Äußerungen stellt sich der Funktionär ein ums andere Mal selbst ins Abseits.
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BerlinEs gibt Aussagen, die entlarven, ohne dass der Urheber es merkt. Joseph Blatter ist darin ein Meister. Der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa war zur Eröffnung der Frauen-WM nach Berlin angereist und betonte am Sonnabend die Wichtigkeit dieses Turniers und lobte die tolle Organisation. Dann allerdings verstrickte sich der 75-Jährige in eine krude Erklärung, warum man die Nachwuchsarbeit im Frauenfußball verbessern müsse. „Ab einem gewissen Alter haben Frauen eine andere Aufgabe“, sagte Blatter. „Ich will da jetzt nicht konkret werden, aber... Sonst gibt es irgendwann keine kleinen Fußballerinnen mehr.“

Das sollte jemand mal der Marathon-Läuferin Paula Radcliff erzählen, die im Vorjahr ihr zweites Kind bekommen hat und trotzdem als Favoritin für die Olympischen Spiele 2012 gilt.

Oder der Tennisspielerin Kim Clijsters, die nach der Geburt ihrer Tochter drei Grand-Slam-Titel gewann. Der Fifa-Präsident legte erneut ein antiquiertes Frauenbild offen, das weder in eine moderne Gesellschaft noch zu einer WM passt, die den Aufbruch im Frauenfußball signalisieren soll.

Dabei versucht sich Joseph Blatter, der seit 1998 Präsident des mächtigsten Sportverbands der Welt ist und gerade ohne Gegenkandidaten für weitere vier Jahre gewählt wurde, seit einigen Jahren als Förderer des Frauenfußballs zu inszenieren. „Die Zukunft des Fußballs ist weiblich“, hat Blatter schon 1995 gesagt. Seither hat sich einiges getan – die WM in Deutschland wird ein weiterer wichtiger Schritt. Der Anteil des Fifa-Präsidenten daran hält sich allerdings in Grenzen. In Erinnerung geblieben sind eher Aussagen wie jene aus dem Jahr 2004, als Blatter forderte, die Sportkleidung der Fußballerinnen solle „femininer“ werden. Damit könne man neue Geldgeber in der Mode- und Kosmetikindustrie gewinnen. Auf die Frage, ob er es nun begrüße, dass sich einige Fußballerinnen für den Playboy auszogen, sagte Blatter halbherzig: „Lasst die Frauen ihr Spiel spielen, es ist nicht so wichtig, wie sie aussehen.“

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  • Zu viel Aufsehens von medialer Seite. "Man(n)" möchte die Öffentlichkeit Glaubens machen, dass die Euphorie die selbige sei, wie bei einer Männer-WM. Meine Kids wollen weder Panini-Bilder, noch Trikots von den Mädels. Autokorsos wird es wohl auch kaum geben. Alles scheint verzwungen und aufgesetzt. Tradition und Heldenmythos anno Bern 54 gibt es aber nunmal nur bei den Herren der Schöpfung! Auch wenn das in Deutschland zwanghaft forcierte, schon abstruse Gendering es gerne anderst darstellen möchte!

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