Japanische Fußball-Frauen
Geheimfavorit mit Imageproblem

Japans Fußball-Frauen sind bei der WM ein Geheimfavorit auf den Titel. Im eigenen Land fehlt es ihnen trotzdem an Aufmerksamkeit und Anerkennung - eine Folge des vorherrschenden Frauenbildes. VON JAN KEUCHEL
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TokioAm Wochenende ist es stets mit der Ruhe vorbei, am kleinen Schrein von Tsurumaki im Tokioter Stadtteil Setagaya-ku. Dann steht die Gebetsstätte ganz im Schatten des riesigen Käfigs, der sich hinter ihr erhebt. „Ping-pock. Ping-pock. Ping-pock.“ Auf drei übereinanderliegenden Ebenen üben japanische Männer den Abschlag beim Golf, der einen hellen Ton erzeugt, wenn der Schläger den kleinen Ball trifft – gefolgt von einem dumpf klingenden Geräusch, wenn der Ball erst ins Netz geht und dann zu Boden fällt.

Golfen gehört zu den Lieblingssportarten im Land des Lächelns. Und weil es dort so wenig verfügbaren Platz gibt, findet man überall, auch in dicht besiedelten Wohngebieten, große Übungsplätze. Getoppt wird Golf nur noch von Baseball, der Sportart Nummer eins, und natürlich von Sumo, dem Ringersport, der zum Ärger der Japaner schon seit Jahren keinen der ihren mehr als Champion, als Yokosuna, gesehen hat.

Seit neuestem hat sich zudem eine weitere Sportart in die Rangfolge vor das Golfen gemogelt, die in Japan keine allzu lange Tradition hat: Fußball. Das Erreichen des Achtelfinales bei der Weltmeisterschaft im letzten Jahr hat Fußball beliebt gemacht – so beliebt, dass es zurzeit die zweitwichtigste Sportart in Japan ist.

Gemeint ist allerdings der Männerfußball. Dass auch Japanerinnen gekonnt gegen den Ball treten, weiß man hierzulande zwar schon. Aber den Frauenfußball als populär zu bezeichnen, wäre extrem gewagt. Viele Ligaspiele finden oft kaum Tausend Besucher – und das in der höchsten Spielklasse.

Dass das so ist, liegt wahrscheinlich auch an dem Frauenbild in Japan. Der Name des Teams, „Nadeshiko“ (Nelke) Japan, abgeleitet von dem geflügelten Wort „Yamato Nadeshiko“, steht frei übersetzt für die Tugenden der anmutig schönen Frau, die im Hintergrund bleibt, aber dabei auch Stärke zeigt. Doch in einem Land, in dem nach jüngsten Untersuchungen des Kosmetik-Konzerns Kanebo Frauen nur noch als „kawai“, als „niedlich“ und „liebreizend“, empfunden werden wollen (und Männer nach wie vor diesen Frauentyp bevorzugen), schrecken muskulöse, kräftige Beine und körperliche Durchsetzungskraft die Massen wahrscheinlich eher ab.

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