Metin Tolan im Interview
„Im Frauenfußball fallen einfach zu viele Tore“

Professor Metin Tolan ist ein Experte für die Physik des Fußballs. Im Interview erklärt er, warum Frauenfußball langweilig ist - und wie die Fifa das mit Regeländerungen beheben könnte.
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DüsseldorfHerr Tolan, in gut einer Woche startet die Fußball-WM der Frauen in Deutschland. Konnten Sie schon eine gewisse Begeisterung ausmachen?

Wir sind ja jetzt alle Fans. Euphorie ist derzeit allerdings noch nicht da. Wie sollte sie auch? Es wird relativ wenig berichtet, es fehlt der Unterbau mit den vielen kleinen Geschichten drumherum in der Berichterstattung. Begeisterung ist noch nicht da, aber ich bin mir sicher, dass zum Turnierstart wieder reihenweise DFB-Trikots und Deutschland-Fahnen in den Straßen zu sehen sind.

Werden Sie sich ein Spiel anschauen, im Fernsehen oder im Stadion?

Ich werde mir kein Spiel ansehen, nein.

Oha, warum?

Frauenfußball ist ganz anders. Es entwickeln sich leider keine spannenden Partien. Es gibt nicht solche Spiele wie z.B. Argentinien gegen die Elfenbeinküste (2006 bei den Herren, Anm. d. Red.). Die Vorrunde ist eine Farce, denn es kommen ohnehin immer nur die Favoriten durch. Das sieht man ja auch in der Frauenfußball-Bundesliga: Der Tabellenletzte hat keine Chance, den ersten zu schlagen.

Die These, dass Frauenfußball weniger Spannung bietet, vertreten Sie auch in Ihren Vorlesungen und in Ihrem Buch „So werden wir Weltmeister – die Physik des Fußballspiels“. Die Frage: Warum fehlt die Spannung?

Es fallen einfach zu viele Tore und dann gewinnt die Mannschaft, die die besseren Spielerinnen hat, also in diesem Fall die Athletischeren. Der Faktor Glück ist bei den Damen viel zu stark ausgeschaltet. Aber diese Spannung, diese Möglichkeit, dass der Außenseiter gewinnt, ist doch am Ende das, was den Sport ausmacht. Wir hängen sozusagen an der Nadel des Zufalls.

Und was ist der genaue Unterschied zu den Herren?

Frauen sind in der Spitzengeschwindigkeit im Schnitt zehn Prozent langsamer als Männer. Das kann man unter anderem in Verbindung setzen zu der Zeit, die der Ball verfolgt wird, und mit der Größe des Platzes und der Zahl der Spielerinnen. Da Frauen langsamer als Männer sind kommt raus, dass es beim Frauenfußball zuviel Platz auf dem Spielfeld gibt. Für die Zukunft heißt das übrigens, dass sich der Frauenfußball immer mehr dem Ideal annähert und der Herrenfußball dagegen langweiliger wird, weil die Damen immer athletischer und die Herrn "zu athletisch" werden. Der Damenfußball wird sicher von dieser Entwicklung profitieren, da ist noch großes Potenzial.

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Mehr Spielerinnen - mehr Spannung

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Mathe lügt nicht

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