Nigerias Sportdirektor Obliers
„Zuerst habe ich gedacht, das wäre ein Spaß“

Thomas Obliers war Trainer in der Damen-Bundesliga, seit drei Monaten ist er Sportdirektor der Frauen-Nationalmannschaft Nigerias. Der Deutsche über Verständigungsprobleme, Geldsorgen, Platzverhältnisse und WM-Ziele.
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DüsseldorfHerr Obliers, wie kommt man als Bundesliga-Trainer zu einem Job Sportdirektor von Nigeria?

Das kam für mich auch ziemlich überraschend. Ich habe am Montag nach dem letzten Meisterschaftsspiel einen Anruf von Siegfried Dietrich bekommen, dass Nigeria Interesse an mir hat und ob ich mir das vorstellen könnte. Zuerst habe ich gedacht, das wäre ein Spaß. Dann ging aber alles ganz schnell und 14 Tage später war ich schon in Nigeria.

Zögert man bei so einer Offerte lange?

Natürlich habe ich erst einmal gezögert. Ich habe dann erstmal ein langes Gespräch mit Siegfried Dietrich geführt und auch lange mit einem Vertreter vom Verband gesprochen, aber das ist eine WM im eigenen Land, das wird man nicht oft erleben. Und wenn man dann aktiv daran beteiligt sein darf ist das eine Ehre und bestimmt auch ein ganz tolles Erlebnis, zumal wir ja als besonderer Reiz auch in der deutschen Gruppe sind.

Welche Aufgaben haben Sie genau?

Ich plane und führe das Training durch. Das Problem, das Nigeria erkannt hat, ist ein Nachholbedarf im athletischen und vor allem im taktischen Bereich. Ich spreche mit der Trainerin alles ab, auch die Aufstellung – wobei sie allerdings das letzte Wort hat. Das ist gleichzeitig auch so ein bisschen die Rolle eines Co-Trainers.

Wie ist es, wenn man als Außenstehender in eine feste Gruppe kommt, gerade als Ausländer?

Wie überall dauert es ein bisschen, bis sich das einspielt. Aber ich muss sagen, dass mich gerade das Trainerteam und die Spielerinnen von Anfang an akzeptiert und unterstützt haben. Von daher war es vom Arbeiten her relativ einfach. Die Verständigung auf Englisch hat sofort funktioniert, außer wenn  die Nigerianer zwischendurch in ihr nigerianisches Englisch wechseln, das ist schwierig. Das ist so ähnlich wie wenn in Deutschland ein Bayer richtig loslegt, da versteht man ja auch keinen Ton.

Afrikanische Fußballverbände haben den Ruf, dass häufig Chaos herrscht und die Trainingsbedingungen nicht gut sind. Berti Vogts moserte nach seiner Zeit als Nationaltrainer der nigerianischen Herren, dass er aus Plätzen trainieren musste, auf die man „in Deutschland keine Kuh schicken würde“. Wie war das bei Ihnen?

Das ist etwas übertrieben und überspitzt dargestellt. Man kann es nicht mit einem topgepflegten Rasen in Deutschland vergleichen, aber es sind normale Umstände. Es könnte besser sein, ist aber in Ordnung - wir hatten in der Vorbereitung auch keine Verletzen. Unser Training war auf einem Nebenplatz des Nationalstadions in Abuja, wo auch die ganzen Leichtathleten sind. Der Rasen da wird jeden Tag gepflegt.

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