Nordkorea - USA
Kindliche Freude gegen amerikanische Gelassenheit

„Geheimnis-Favorit“ Nordkorea präsentiert sich vor seinem Auftaktspiel in Dresden fast genau so offen und unbeschwert wie Gegner USA. Die Unterschiede liegen in den Details - oder tragen Strohhüte.
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DresdenDie Stimmung ist ausgelassen auf dem Weg zum Mittagessen. Einen Tag vor dem WM-Auftaktspiel gegen die USA stehen die Fußballerinnen aus Nordkorea und ihre Delegation in der Sonne vor dem Dresdner Maritim Hotels am Elbeufer unweit des Zwingers und genießen die Wärme. Zwei der Spielerinnen in den rot-blauen Trainingsanzügen jagen sich gegenseitig, andere suchen die Nähe zu einem jungen Teambetreuer und werden freundschaftlich in den Arm genommen.

Wie sich die Asiatinnen in Dresden abseits des Platzes präsentieren wirkt auf Außenstehende häufig so unerwartet unbeschwert, dass es zeitweise an kindliche Freude grenzt. Als die Spielerinnen zum ersten Mal mit dem gläsernen Aufzug des Hotels in ihre Etage fuhren, steht fast allen die Spannung ins Gesicht geschrieben, zwei der Nordkoreanerinnen lehnen sich sogar übermütig an die Scheibe und blicken staunend in die Lobby.

Entspannte Bilder, die so gar nicht zum Image des asiatischen „Geheimnis-Favoriten“ passen. Und auch bei der Pflicht-Pressekonferenz vor dem ersten Spiel gegen die USA merkt man nicht viel von der ansonsten praktizierten Medien-Ignoranz. Zwar haben die wenigen Aussagen eher überschaubaren Tiefgang („Wir haben ein sehr junges Team“, „Es wird eine sehr schwierige WM“), das ist man aber auch von vielen anderen Trainern gewohnt.

Anders als bei früheren Pressekonferenzen, bei denen Coach Kim Kwang Min bei nicht-sportbezogenen Fragen auch schon mal den Raum verließ, wird sogar das obligatorische Thema der politischen Bedeutung vergleichsweise locker behandelt. „Sport ist Sport. Das hat nichts mit Politik zu tun“, übersetzt Nordkoreas Pressesprecherin Kim Trainer Kims Aussage.

Interessant wird es erst, wenn man das benutzte Vokabular genauer betrachtet. Nordkorea möchte die Vorrunde „überleben“, die Spielerinnen werden einen „harten Kampf“ liefern und Spielführerin Jo Yun-Mi betont laut Übersetzung, dass ihr Team den „Geist ihres werten Führers“ mit ins Spiel nehmen werde. Das klingt mal martialisch, mal patriotisch und insgesamt dann doch ein bisschen so, wie man es sich im Vorfeld vorgestellt hatte.

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Kindliche Freude gegen amerikanische Gelassenheit

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Die Ruhe der Weltranglistenersten

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Mit Köpfchen zum Sieg

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