Heikles WM-Duell gegen US-Girls
„In Nordkorea ist nichts unpolitisch“

Für die nordkoreanischen Fußball-Frauen hat die WM in Deutschland einen über das Sportliche hinausgehende Bedeutung. Ganz besonders deutlich zeigt sich das vor dem Auftaktspiel gegen die USA.
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DresdenEs war alles so schön geplant: Als die deutsche WM-OK-Chefin Steffi Jones Anfang diesen Jahres im Rahmen ihrer „Welcome-Tour“ mit einer Delegation aus DFB-Funktionären, Politikern und Journalisten zu Gast in Pjöngjang war, zeigten sich die nordkoreanischen Gastgeber von ihrer offensten Seite: Ein Kooperationsvertrag, der Austausch und Testspiele von Jugendmannschaften vorsieht, wurde unterzeichnet und ein Trainingslager samt Kulturprogramm in Leipzig vereinbart.

Als die nordkoreanische Mannschaft Mitte Juni dann aber tatsächlich in Deutschland ankam, war vom großen Kulturaustausch nicht mehr viel übrig. Alle Termine, darunter ein Match gegen den Bundesliga-Aufsteiger Lok Leipzig und Besuche des Bildermuseums und der Thomaskirche, wurden nach einer Testspielniederlage gegen Kanada abgesagt, die einzige Partie gegen England in Halle/Saale fand unter Ausschluss von Fans und Medienvertretern statt, die Trainingseinheiten wurden bis auf wenige Ausnahmen abgeschirmt.

Gastgeber Dr. Thomas Feist sieht trotzdem einen Teilerfolg: „Die Maximalerwartungen haben sich leider nicht erfüllt, trotzdem glaube ich, dass wir einiges geschafft haben.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Leipzig hatte die Delegation eingeladen und das Rahmenprogramm in Absprache mit der Botschaft angeboten. „Es wäre schön gewesen, wenn sie mehr von der Stadt gesehen hätten. So bleibt immerhin der Eindruck der schönen Trainingsanlage, wo eine sehr offene Atmosphäre geherrscht hat.“

Zudem sei auf politischer Ebene etwas erreicht worden: „Wir haben vom Deutschen Roten Kreuz erfahren, dass sich bei der Familienzusammenführung zwischen den Kindern in Leipzig und den Vätern in Nordkorea einiges getan hat.“ Zu Zeiten der DDR waren zahlreiche Nordkoreaner als Gastarbeiter im Land, rund 20 Sprösslinge leben immer noch in Deutschland. Ein Treffen ist jetzt in Planung.

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