WM-Außenseiter Äquatorialguinea
Das Nordkorea Afrikas

Völlig überraschend ist Äquatorialguinea bei der Frauen-WM in Deutschland dabei. Kaum jemand vermag die Außenseiter vor dem heutigen Auftaktspiel gegen Norwegen einzuschätzen - sportlich wie kulturell. Ein Annäherungsversuch an ein Team, das dennoch vor allem abseits des Spielfelds schon vor der WM von sich reden macht.
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DresdenDas Abenteuer Deutschland beginnt für Äquatorialguinea mit Nieselregen und Konfusion. Als die Delegation des kleinsten Teilnehmerlandes wegen der Regenzeit daheim bereits Mitte Mai als erstes Team in Deutschland landet, herrscht statt Aufbruchstimmung und Vorfreude vor allem erst einmal Irritation.

Eigentlich war klar, dass die Vorbereitung auf die WM in Münster absolviert werden sollte. Ein Äquatorialguineer vor Ort hatte die Zimmer bereits für einen Monat gebucht, „zum Dumpingpreis“, wie der Leiter der Johanniter-Akademie, Joachim Schmidt, betont. Trainiert werden sollte auf dem Platz des Landesligisten TuS Hiltrup, keine fünf Kilometer entfernt.

Doch schon bei der Ankunft wird klar, dass sich die Verantwortlichen Äquatorialguineas etwas anderes vorgestellt hatten. Ein Trainingsplatz und eine Schwimmhalle sollten doch bitte schön direkt auf dem Gelände sein, noch am selben Abend startet eine Expedition zur Sportschule in Duisburg-Wedau – ohne Erfolg.

Am Ende landen die Westafrikaner in der Eifel, auf dem Gelände der Sportschule Bitburg. Viel mehr als dass die Spielerinnen gerne scharf essen – laut Koch Markus Schmitz wird pro Woche ein Liter Tabasco verbraucht – ist nicht bekannt. Die Äquatorialguineaerinnen reden nicht all zu viel, um so mehr wird über sie berichtet.

Alles startete mit einer offiziellen Beschwerde des kontinentalen Konkurrenten Nigeria beim Fußballverband CAF, der afrikanischen Uefa. Äquatorialguinea hätte in den Schwestern Biliguisa und Salimata Simpore während der Qualifikation zwei als Frauen getarnte Männer eingesetzt. Beide Spielerinnen stehen nicht im WM-Kader, nach offiziellen Angaben aus Verletzungs- und Disziplingründen.

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