0:3 gegen Barcelona
Dumme Bayern? Danke, Bayern!

77 Minuten lang machte Bayern gegen Barcelona fast alles richtig, spielte mit und stellte sich nicht nur hinten rein. Von Schadenfreude keine Spur: Danke für diese Mentalität. Der Kommentar eines Fans von Offensivfußball.
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DüsseldorfIm Nachhinein betrachtet - das ist bekanntlich dann, wenn man immer schlauer ist - hätte der FC Bayern München vielleicht beim gestrigen 0:3 im Halbfinalhinspiel der Champions League in Barcelona in der 77. Minute einen Wechsel vornehmen müssen. Und zwar keinen Tausch eines Spielers, sondern einen der Mentalität: Weg vom katalanisch-bayerischen Gemisch von Guardiola und „Mia san mia“ – hin zu einem profunden Sicherheitsdenken.

Stellen wir uns mal vor, ab der 77. Minute wäre nicht Pep Guardiola Trainer des FC Bayern gewesen, sondern jemand vom Schlage eines Roberto di Matteo - dem jetzigen Schalke Coach, der sich 2012 mit Chelsea zum Sieg in der Champions League mauerte: Was hätte der getan gegen einen Gegner, der in absoluter Topform ist und über die beste Offensive verfügt, die es in dieser Verfassung vielleicht jemals gegeben hat in der Fußballwelt? Er hätte seine Truppe wohl rund um den eigenen 16er beordert. Sie hätte sich hinten reingestellt, die Räume dicht gemacht und das 0:0 dankend mitgenommen. Man sorgt in solchen Momenten dafür, dass dem Gegner (und dem Zuschauer) die Lust am Fußballspielen vergeht.

Ein defensiv-ergebnisorientierter Spieler verbietet Torhütern wie Manuel Neuer in der 77. Minute einen Abstoß so schnell auszuführen, wie es der Nationalkeeper gemacht hat. Typisch für die gewisse Tragik des in dieser Höhe ungerechtfertigten 0:3 war, dass ausgerechnet diese übermütige Offensivaktion in Kombination mit dem Risikopass des jungen Bernat das Halbfinale entschied. Ausgerechnet dieser junge Spanier, der eine famose Saison spielt und sich anschickt, neben Thiago zu einem der besten Bayern-Einkäufe der Geschichte zu werden.

Es ist eine Binse, dass man Ausnahmespieler und viel Glück braucht, um gegen ein Barcelona in dieser Verfassung zu gewinnen. Bayern fehlten diese, da Robben und Ribery gar nicht dabei waren, Götze außer Form und ohnehin zu jung dafür ist, Lewandowski mit seinen gebrochenen Gesichtsknochen ähnlich weit weg von der Top-Form war wie der völlig überspielte Müller.

Die Münchener hätten vermutlich gut daran getan, sich gegen diese furios aufspielende Elf aus Barcelona in Abwehrriegeln zu verkrümeln, wie es wohl jede andere Mannschaft Europas beim Auswärtsspiel getan hätte. Angesichts der Verletztenmisere hätte man es den Münchenern kaum verdenken können. Aber ihnen fehlten an diesem Abend die geeigneten Konterspieler, um schön mitzuspielen. Und hässlich, das kann Pep Guardiola nicht. So nahm Bayern die Ausfahrt Risiko: lieber mit Stil untergehen als irgendwie weiterkommen. Die Münchener spielten mit, griffen mit einer aberwitzig riskanten Manndeckung früh an und wollten zeigen, dass sich hier trotz aller Formunterschiede zwei Teams auf Augenhöhe begegnen.

Den Bayern gelang es nicht nur, als erste Mannschaft in dieser CL-Saison in der ersten Hälfte zu null zu spielen in Barcelona. Sie waren in der zweiten sogar spielerisch gleichwertig. Ein Zeichen ist, dass die Gastgeber genauso viele gelbe Karten wegen rüder Fouls bekamen wie die Bayern. Die Zuschauer murrten immer mehr - mehr kann man kaum erwarten. Wäre dann auch noch Lewandowskis Riesenchance in der 18. Minute reingegangen oder hätte Alonso seine exzellente Freistoßposition kurz nach der Halbzeit besser genutzt – wer weiß.

Kommentare zu " 0:3 gegen Barcelona: Dumme Bayern? Danke, Bayern!"

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  • Lieber Herr Trautmann,
    das Argument zieht, wobei objektiv betrachtet immerhin erwähnt werden sollte, dass die Bayern wohl auch aus "ethischen" Grünen kein Gebot für Marco Reus abgegeben haben - den man als ideale Ergänzung für die Münchener ansehen könnte. Ob er gekommen wäre oder nicht, ist die andere Frage.
    Beste Grüße,
    Thorsten Giersch

  • Letzten Satz hatte man gerne weglassen können!
    Man könnte sich auch Spieler außerhalb der Bundesliga zulegen, dann hätte die nationale Konkurrenz sicherlich bessere Chancen! Zwischendurch mit Einkäufen von Robben, Ribery,... habe ich gedacht, dass sie die Einkaufspolitik geändert hat, aber die Schwächung der direkten Konkurrenz ist halt doch wichtiger! Holt euch euren Gündogan, de Bruyne und sonst wen! Die Bayern bleib'n die Bayern!

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