1. FC Kaiserslautern
Die roten Steuerteufel

Öffentliche Gelder für Fußballstadien: Die Beteiligung von Steuerzahlern an Fußballvereinen ist keine Seltenheit. Vor dem Pokalspiel in München gerät nun ein zweifelhafter Pachtdeal des 1.FC Kaiserslautern in den Fokus.
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Düsseldorf„Sympathieträger der Region mit einem Bekanntheitsgrad von 99 Prozent“— so wirbt die Sportvermarktungsagentur Sportfive für den Fußball-Zweitligisten vom 1. FC Kaiserslautern.

Doch vor dem DFB-Halbfinale des Klubs beim FC Bayern München wird die Sympathie der Pfälzer für ihren Verein ordentlich auf die Probe gestellt. Denn offenbar sah es die Stadt Kaiserslautern vor über einem Jahrzehnt als öffentliches Interesse an, den Traditionsverein vor der Insolvenz zu schützen — und griff ihm augenscheinlich mit einem für ihn vorteilhaften Stadiondeal unter die Arme.

Fußballprofis, die in einem von Steuergeldern bezahlten Stadion fürs Kicken belohnt werden? Keine Seltenheit: Die Fußballstadien in Offenbach und Duisburg gerieten ebenfalls zur Steuerfalle. Für den Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Bunds der Steuerzahler ist das ein Unding: „Profisport sollte sich in allen Fällen finanziell selbst tragen“, fordert René Quante — direkte oder indirekte Unterstützung aus öffentlichen Kassen seien nicht vertretbar. Genau dafür will Quante allerdings in Kaiserslautern Indizien gefunden haben. Seine Vorwürfe haben eine hitzige Debatte ausgelöst, denn sie enden nicht beim Kauf der Arena durch die Stadt.

Im Zentrum der Kritik steht vielmehr das aktuelle Pachtmodell für das Heimatstadion der „Roten Teufel“, das der Klub 2003 für 57,9 Millionen Euro an die komplett der Stadt zugehörigen Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern GmbH verkaufte.

Bisher musste der FCK für die Stadionnutzung den festen Mietpreis von 3,2 Millionen Euro zahlen. Doch geht es nach dem Willen des Vereins, soll die Höhe des Betrags künftig von der Ligazugehörigkeit der Lauterer abhängig gemacht werden. Verbleibt der – aktuell Viertplatzierte – in der zweiten Bundesliga, soll die Pacht um 800.000 Euro auf 2,4 Millionen sinken. Bei einem Aufstieg in die Erstklassigkeit will der Verein hingegen sogar 3,6 Millionen Euro zahlen, also 900.000 Euro mehr als im Moment.

Der FCK will damit seine finanzielle Planungssicherheit gewährleisten — und ködert die Stadt: „Rückblickend auf die vergangenen vier Jahre hätte es der Stadt Kaiserslautern definitiv Mehreinnahmen beschert“, argumentiert der Verein in einer Pressemitteilung für das neue Modell und erinnert daran, dass Kaiserslautern 2010 bis 2012 noch in der höchsten deutschen Liga spielte. Doch die Taktik, im Zusammenhang mit Zahlungsverpflichtungen auf erwarteten sportlichen Erfolg zu setzen, hat bereits einige Vereine in Turbulenzen gestürzt.

Der Fall FCK birgt zudem eine besondere Brisanz, weil er direkt den Steuerzahler betreffen könnte. Die angepassten Pachtzahlungen im Falle eines Nichtaufstiegs seien nämlich viel zu niedrig, wirft René Quante dem Verein vor: Sie seien noch nicht einmal in der Lage, die Zinsen des (städtischen) Stadionkredits von 2003 zu zahlen —geschweige denn, den Kredit zu tilgen.

Somit blieben die Steuerzahler nicht nur auf ihrem Geld sitzen, sondern müssten weiterhin für zusätzliche Kosten aufkommen. Die Schuldenuhr der Kommune bewegt sich derweil auf die 900-Millionen-Euro-Marke zu, Kaiserslautern gehört zu den Städten mit der größten Pro-Kopf-Verschuldung Deutschlands.

Kommentare zu " 1. FC Kaiserslautern: Die roten Steuerteufel"

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  • Falls die vom BdSt erhobenen Vorwürfe stimmen, find ich gut das eine Stadt seinen Verein nicht im Regen stehen lassen, der Wirtschaftsfaktor Profi-Traditionsclub ist sicher nicht unbedeutend. Die Verantwortlichen, so hoffe ich stehen wenigstens dazu und versuchen nicht sich heraus zu reden.

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