1. FC Köln
Die doppelte Misere der Geißböcke

Der 1. FC Köln wirtschaftet hervorragend, doch im Verein läuft es nicht rund. Ein Teil der Fans macht Stimmung gegen Investoren. Das hemmt die Expansion. Sportlich steht heute Krisenbewältigung an: in der Europa League.
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DüsseldorfWirtschaftlich könnte sich der 1. FC Köln eigentlich feiern lassen. Die Rekordzahlen der Bilanz belegen: So gesund wie aktuell war der Verein schon lange nicht mehr. Doch sportlich läuft es überhaupt nicht in dieser Saison. Überdies entwickelt sich ein Teil der Fans zum Hemmschuh. Mehr als 1000 traditionsorientierte Aktivisten machen richtig Stimmung gegen Investoren.

Formales Vehikel dafür war auf der Mitgliederversammlung in dieser Woche ein Antrag einer Initiative, die sich „100%FC – Dein Verein“ nennt. Sie will den Verkauf des Klubs erschweren. Nur nach Zustimmung der Mitglieder sollten künftig Anteile an der ausgegliederten Kapitalgesellschaft möglich sein. Laut Satzung kann der 1. FC Köln bisher bis zu 24,9 Prozent der Anteile ohne Zustimmung der 100.000 Mitglieder veräußern.

Die Idee der Fußball-Traditionalisten: Ein Anteilsverkauf verändere den Charakter des Vereins. Zudem sei dies in der Regel unumkehrbar, weshalb alle wichtigen Gremien eingebunden werden sollten, neben Vorstand und Mitgliederrat auch Mitgliederversammlung und der sogenannte Gemeinsame Ausschuss.


Von dem Antrag wurde die Führung des Vereins überrascht – und auf der Mitgliederversammlung sprach sie sich klar dagegen aus. „Meine Bitte an euch: Lehnt den Antrag ab“, sagte FC-Präsident Werner Spinner, wie sich aus dem Live-Blog des „Express“ ergibt. Seine Erklärung wurde von Pfiffen begleitet.

Die Diskussion darüber zog sich am Montag bis spät in den Abend hin, die Abstimmung sogar noch länger. Erst in der Nacht zum Dienstag – nach mehr als sechs Stunden – stand fest: Der Antrag wurde abgelehnt. 3017 Mitglieder oder 65,67 Prozent waren dagegen, aber immerhin 1577 oder 34,33 Prozent der Anwesenden dafür.

Das Ergebnis belegt eine Spaltung der Anhänger bei einem Thema, das für die wirtschaftliche Expansion der Kölner im Milliardengeschäft Fußball mittelfristig von entscheidender Bedeutung ist. Ohne potente Geldgeber kommt kein Fußballverein sportlich und wirtschaftlich voran. Wer zu viel Rücksicht auf traditionsbewusste Fans nehmen muss, gerät schnell ins Hintertreffen.

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