Fußball
1997: Überraschungsfinalist wird zum Lehrjungen

In der Hitze von Riad erreicht Australien erst das Confederations-Finale - und geht dann mit 0:6 gegen Brasilien unter.

rab DÜSSELDORF. Mark Bosnich hat ein bewegtes Fußballerleben hinter sich. Der Australier pöbelte im Laufe seiner Karriere britische Fans an, landete wegen angeblicher Schlägereien beinahe hinter Gittern und wurde im Jahr 2002 des Dopings überführt - er hatte Kokain genommen, der FC Chelsea London setzte ihn vor die Tür. Zugleich brachte es Bosnich in mehr als zwölf Jahren bei den britischen Klubs Aston Villa, Manchester United und Chelsea London als Torhüter zu Weltruhm.

Trotz dieser Turbulenzen wird Mark Bosnich den 21. Dezember 1997 wohl nicht vergessen. Der erfolgreichste Nationaltorwart, den Australien bisher hatte, stand mit seiner Mannschaft völlig überraschend im Finale des Konföderationen-Pokals (Confed-Cup) in Saudi-Arabien. Bosnich, fast auf dem Höhepunkt seiner Karriere, kassierte sechs Gegentore. Australien verlor in der Wüste Riads völlig die Orientierung.

65 000 Zuschauer im König-Fahd-Stadion hatten Mitleid mit Bosnich; Ronaldo und Romario nicht. Die brasilianischen Stürmer, damals wohl die besten Angreifer der Welt, erzielten jeweils drei Treffer. Vor dem Tor von Bosnich tauchten zudem immer wieder Weltklassespieler wie Roberto Carlos, Dunga, Cesar Sampaio, Denilson und Juninho auf. Die Mannschaft aus Brasilien zelebrierte Fußballkunst im Wüstensand und entfachte einen Angriffswirbel, dem die Australier keine Minute standhielten.

Trotz der herben Niederlage war Australien die Überraschungsmannschaft des Turniers. Von Brasilien, angetreten in Bestbesetzung, hatte jeder Beobachter den Turniererfolg erwartet. Nach dem brasilianischen Auftaktsieg gegen die Mannschaft aus Saudi-Arabien unter dem deutschen Trainer Otto Pfister schien auch alles glatt zu laufen. Und doch erkämpften die Australier im zweiten Vorrundenspiel ein 0:0 gegen die Brasilianer. Australien hatte zuvor bereits Mexiko überraschend mit 3:1 geschlagen und zog trotz der 1:0 Niederlage gegen Saudi-Arabien im letzten Vorrundenspiel ins Halbfinale ein.

Bosnich hielt dort seinen Kasten wieder sauber, seine Mannschaft gewann 1:0 gegen die zweite Überraschungsmannschaft des Turniers: Uruguay. Die Südamerikaner hatten alle drei Vorrundenspiele gegen die Vereinigten Arabischen Emirate, Südafrika und Tschechien gewonnen. Den jungen Spielern von Uruguay wie Marcel Zalayeta und Walter Coelho hatte vor dem Confed-Cup kaum ein Berichterstatter diese Siege zugetraut. Im zweiten Halbfinale ließ Brasilien den Tschechen und ihren Stars Smicer und Nedved keine Chance. Das 2:0 fiel für die Europäer noch schmeichelhaft aus.

Wenig schmeichelhaft hat übrigens Mark Bosnich nach seinem Rausschmiss bei Chelsea seine Karriere beendet. Angeblich ließ er seinen Frust an seiner Freundin aus und wanderte ins Gefängnis. Zuletzt trat er im März dieses Jahres für einen guten Zweck als Boxer namens "The Outlaw" in einer BBC-Sendung gegen einen Diskjockey an.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%