222-Millionen-Euro-Spieler Neymar
„Geld war für mich nie das Wichtigste“

Neymar ist für die Rekord-Ablösesumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain gewechselt. Am Freitag wurde der teuerste Fußballer der Welt den Medien vorgestellt. Die Franzosen sind aus dem Häuschen.
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ParisSchon seit Stunden warteten die Fans vor dem Pariser Fußballstadion Parc des Princes geduldig auf ihren Helden, doch Neymar schlich sich durch einen Hintereingang hinein. Der 25-jährige Brasilianer Neymar da Silva Santos Junior, kurz Neymar, wurde am Freitagnachmittag offiziell den Medien vorgestellt. Er wirkte im dunklen Anzug mit Krawatte ein wenig nervös, denn rund 350 Journalisten aus aller Welt waren zu dem Ereignis erschienen. Jeder seiner Schritte wurde verfolgt. Der Neuzugang des Fußballklubs Paris Saint-Germain (PSG) war Freitagmorgen am Flughafen von Le Bourget bei Paris eingetroffen und sollte nach der Pressekonferenz mit seinem neuen Klub trainieren.

„Ich bin sehr glücklich, heute unseren großen Star zu präsentieren“, sagte PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi. „Für mich ist Neymar der beste Spieler der Welt. Wir haben immer von ihm geträumt.“ Man werde eine große Geschichte bei PSG mit ihm schreiben. In zwei Jahren werde man sehen, ob die Investition gut war. Der Superstar kommt für eine Rekord-Ablösesumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona, was eine Polemik auslöste, und verdient 30 Millionen Euro im Jahr.

Neymar erklärte darauf: „Danke für diese neue Herausforderung. Ich warte ungeduldig darauf, anzufangen.“ Er wolle etwas ganz Großes schaffen. Auch der Verein sei sehr ambitioniert. Beim FC Barcelona war er nicht der einzige Star, das habe ihn aber nicht in seiner Entscheidung beeinflusst, nach Paris zu kommen: „Ich suche nicht danach, der Star zu sein, sondern etwas Neues.“ Es sei der richtige Moment gewesen. Er hofft darauf, viele Titel zu gewinnen. Er sei nicht wegen Starspieler Lionel Messi gegangen. Er verteidigte sich außerdem: „Geld war für mich nie das Wichtigste, es geht mir mehr um mein Glück.“ Nach seinem 45-minütigen Auftritt vor der Presse zeigte er sich seinen Fans vor dem Stadion, darunter viele Jugendliche in PSG-Trikots. Die Fans sprangen in die Höhe und jubelten. Neymar kam in seinem neuen Trikot.

Seit Tagen ist Frankreich im Neymar-Fieber. Wo wird Neymar vorgestellt? Vor dem Trocadero? Vor dem Eiffelturm? In den sozialen Netzwerken war es das große Thema. Vor dem Hotel Royal Monceau in der Nähe der Champs-Elysées, in dem Neymar abgestiegen ist, standen die Fans in Scharen und warteten auf ihren Fußball-Messias. Belagert wurde auch der PSG-Laden auf den Champs-Elysées, bei dem es schon Trikots des Neuzugangs mit der Nummer 10 zu kaufen gibt. Die Menge vor dem Laden, vor dem ein großes Schild „Welcome to Paris Neymar“ stand, war beeindruckend, die Schlangen mehrere hundert Meter lang. Mehr als 30 Minuten musste man warten, um das ersehnte Trikot zu kaufen. Einige erzählten: „Wir sind schon gestern Abend gekommen.“

Die meisten französischen Zeitungen hatten Neymar auf dem Titel, einige gleich an mehreren Tagen hintereinander. Die Sportzeitung „L´Equipe“ titelte erst in großen Buchstaben triumphierend: „Er kommt“, zeigte dazu ein Neymar-Foto und schrieb am Tag der Ankunft: „Ein König in Paris“. „Le Parisien“ sprach auf der Titelseite vom „Transfer des Jahrhunderts“. „Le Figaro“ kommentierte allerdings weniger erfreut: „Der Fußball rutscht damit ins Maßlose ab.“ Über die Rekordsumme für Neymar wurde in den Medien schon tagelang vorher heiß diskutiert. Die Transfersumme hat alle bisherigen Rekorde gesprengt. Der bisher teuerste Transfer war Paul Pogba 2016 von Juventus Turin zu Manchester United für 105 Millionen Euro.

Entspricht der Wechsel noch dem Financial Fairplay? Diese Frage wird überall gestellt. Auch die Politik ist eifrig bei dem Aufregerthema dabei. Präsident Emmanuel Macron, selbst Fan von Olympique Marseille, mischte mit :„Glückwunsch, es gibt gute Neuigkeiten“, sagte er bei einem Termin zu Klubpräsident Nasser al Khelaifi. Für Macron ist der Wechsel ein Zeichen für die Attraktivität Frankreichs. Frankreich reibt sich die Hände, denn Neymar bringt eine Rekordsumme an Steuern und Sozialabgaben nach Frankreich, rund 30 Millionen pro Jahr und das ist bei Frankreichs Budgetproblemen eine gute Neuigkeit. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hieß Neymar auf Twitter willkommen.

Doch nicht alle freuen sich über den Rekordtransfer. Politiker der linken La France Insoumise von Jean-Luc Mélenchon klagten über die hohe Ablösesumme und das Gehalt von Neymar: „Ein Geringverdiener müsste 2100 Jahre arbeiten, um auf die Summe zu kommen, die Neymar in einem Jahr verdient.“ Das sei wirklich nicht mehr gerecht. Die Welt sei unmoralisch geworden.

PSG ist sicher, dass sich die Investition lohnen wird. Im Gegensatz zu den anderen Größen wie Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo ist Neymar mit 25 Jahren auch noch jung. Mit ihm hofft PSG, bei dem auch die deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Kevin Trapp unter Vertrag sind, endlich auf den ersehnten Sieg in der Champions League – und auf hohe Einnahmen. Barca-Präsident Josep Bartomeu verurteilte den Weggang zur Konkurrenz. Doch PSG dürfte trotzdem damit durchkommen. Der europäische Fußballverband Uefa erklärte: „Alle Vereine in Europa müssen die Regeln des Financial Fairplays respektieren und zeigen, dass sie nicht höhere Verluste als 30 Millionen Euro in drei Jahren haben.“ Doch sollte es Sanktionen für PSG geben, dann nicht sofort. Der Verkauf anderer Spieler könnte einen Teil der Rekordsumme ausgleichen.

Neymar ist mit seiner Familie nach Paris gekommen: Sein Vater, seine Schwester Rafaella und seine Mutter sind auch dabei. Seinem Publikum wird er am Samstag um 15.45 Uhr im Parc des Princes vorgestellt. In Frankreich wird spekuliert, dass Neymar dann sogar zum ersten Mal spielen könnte, was aber eher als unwahrscheinlich gilt. PSG tritt um 17.15 Uhr im ersten Ligaspiel der neuen Saison gegen den SC Amiens an.

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  • „Geld war für mich nie das Wichtigste, es geht mir mehr um mein Glück“

    Glaube ich dem sogar. Er ist nun mal Bestandteil eines immer absurder werdenden Systems, in dem man eigentlich nur noch kirre werden kann.

    Da hat er eigentlich nur die Alternative: Aussteigen aus dem Fußball - oder eben Mitmachen bei diesem Zirkus.

    Um den Druck, der da auf ihm lastet („In zwei Jahren werde man sehen, ob die Investition gut war“) beneide ich ihn jedenfalls nicht. Um das ganze Trara, das um ihn gemacht wird („Er wirkte im dunklen Anzug mit Krawatte ein wenig nervös, denn rund 350 Journalisten aus aller Welt waren zu dem Ereignis erschienen. Jeder seiner Schritte wurde verfolgt“), auch nicht.

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