281. Wiener Derby
Gaudi in der Operetten-Liga

Das Derby zwischen Austria und Rapid Wien war lange Zeit der Höhepunkt der österreichischen Fußballsaison. Doch in diesem Jahr ist die Meisterschaft längst ohne die beiden Traditionsklubs entschieden. Für Furore sorgen beide Vereine nur noch abseits des grünen Rasens. Doch im Chaos des österreichischen Fußballs verkommen sie beinahe zu einer Randnotiz.

BERLIN. Und so bezog die 281. Begegnung gestern Abend im Hanappi-Stadion seinen besonderen Charme aus der Tatsache, dass gleich beiden Vereinen jüngst die Lizenz für die kommende Saison verwehrt wurde. Das Duell gewann der Tabellendritte Rapid Wien mit 3:0.

Absteigen wird aber wohl weder Rapid noch die Austria. In zweiter Instanz, so sind sich die Verantwortlichen sicher, werde man die Genehmigung erhalten. Bei Rapid, sagt Sportdirektor Alfred Hörtnagel, fehle lediglich eine „kleine Bankgarantie“, und bei der Austria hat sich der Austrokanadier Frank Stronach noch einmal erbarmt und bleibt mit seiner Firma Magna Hauptsponsor.

Aber auch, wenn sich die Aufregung, um die verweigerten Lizenzen für Rapid und Austria letztlich als Sturm im Wasserglas entpuppen, knapp ein Jahr vor der EM im eigenen Land gibt Österreichs Fußball ein jämmerliches Bild ab und droht in einem Sumpf aus schwarzen Kassen, getürkten Bilanzen und grotesken Fusionen zu versinken.

Bereits Ende März verhängte der Österreichische Fussball-Bund (ÖFB) Rekordstrafen gegen die steirischen Erstligisten Sturm Graz und Grazer AK – wegen massiver Verstöße gegen das Lizenzierungsverfahren. Sturm Graz wurden zehn, dem Lokalrivalen gar 22 Punkte in der laufenden Saison abgezogen. Zwei Wochen zuvor erzwang der Weltverband Fifa einen Abzug von sechs Punkten beim Grazer AK und hätte bei Zuwiderhandlung Österreich vom internationalen Spielbetrieb ausgeschlossen. Der Grund: Der GAK weigerte sich fünf Jahre lang – trotz höchstrichterlicher Urteile – einen Spieler zu bezahlen.

Dass beide Klubs dennoch ihre Lizenzen erhielten, gilt vielen Beobachtern als unverständlich. Erst als die Grazer Vereine während der Meisterschaft mit erheblichen Summen in die Pleite schlitterten – Sturm Graz ist mit 16 Millionen Euro verschuldet, der GAK mit 15 –, trat die Konkurrenz auf den Plan. Die steirischen Vereine hätten sich die Lizenz erschlichen und so die Meisterschaft verfälscht, erklärten die Konkurrenten im Abstiegskampf, die sogleich ihre Anwälte einschalteten.

Seite 1:

Gaudi in der Operetten-Liga

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%