378 alkoholisierte Fans in Gewahrsam
England-Fans randalieren nach Achtelfinal-Erfolg

Nach dem Achtelfinal-Erfolg der englischen Nationalmannschaft gegen Ecuador ist es in Stuttgart zu Ausschreitungen gekommen. Am Sonntagabend musste die Polizei insgesamt elf Personen vorübergehend in Gewahrsam nehmen.

Zum zweiten Mal ist es bei der WM 2006 zu größeren Ausschreitungen gekommen. Nach den schweren Zwischenfällen mit deutschen Hooligans in Dortmund und Köln haben nun erstmals auch englische Rowdies massiv für Unruhe gesorgt. Bis zum Morgen vor dem Achtelfinale zwischen England und Ecuador nahm die Polizei in Stuttgart nach Randalen am Samstag und in der Nacht zum Sonntag 378 zumeist stark alkoholisierte Fans in Gewahrsam.

Nach dem 1:0-Erfolg der Engländer wurden am Sonntagabend fünf deutsche und sechs englische Personen vorübergehend wegen kleinerer Vergehen in Gewahrsam genommen. Gegen zwei der Engländer war zuvor schon ein Platzverweis verhängt worden. "Im Vergleich zu den beiden vergangenen Tagen ist es relativ ruhig geblieben", erklärte ein Sprecher der Polizei. Die Jubel-Feiern nach dem 2:0-Sieg der deutschen Mannschaft gegen Schweden waren insgesamt friedlich verlaufen, wie die Polizei betonte.

Insgesamt belief sich die Zahl der seit Freitag in Stuttgart vorübergehend festgenommenen Personen, fast ausschließlich Anhänger von der Insel, auf gut 500. 25 Verletzte und 13 Festnahmen gab es bei den Feiern des deutschen Sieges von 10 000 Fans in Mannheim.

Friedliche Jubelpartys nach Deutschland-Sieg

Allein in Berlin versammelten sich auf und rund um der Fanmeile zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor gut eine Million Menschen. Zwischenfälle gab es kaum. "Hut ab, die Fanshaben sich super verhalten", sagte Polizeisprecher Bernd Lorenz. Auch in München verliefen die Jubelparty nach dem Sieg der deutschen Mannschaft ruhig. Insgesamt gab es bis zum Sonntagmorgen 98 Festnahmen wegen kleinerer Delikte.

In Stuttgart wurden die in der Nacht zum Sonntag festgesetzten Personen nach der Feststellung der Personalien wieder entlassen, aber mit einem Innenstadtverbot bis Montagmorgen belegt. Von den 122 Engländern, die in der Nacht zuvor betrunken in der Stadt randaliert hatten, wurden nur fünf wieder entlassen, 117 bleiben bis Montagmorgen in Polizeigewahrsam. Damit soll verhindert werden, dass die Gewalttäter im Verlaufe des Spiels am Sonntagabend erneut in der Stadt aktiv werden können. "Konsequentes Durchgreifen der Polizei hat Schlimmeres verhindert", sagte Polizeisprecher Uwe Schmid.

In der Innenstadt auf dem Schlossplatz, wo etwa 40 000 Menschen das Deutschland-Spiel auf Großbildleinwänden verfolgten, hatte die Polizei konsequent durchgreifen müssen. Sechs Personen wurden verletzt. Nach Polizeiangaben waren 300 Engländer und 300 Deutsche an den Auseinandersetzungen beteiligt. Unter den Festgenommenen befanden sich aber fast ausschließlich Briten. Die Randalierer, die wie schon in Dortmund und Köln vorübergehend eingekesselt wurden, hatten unter anderem unbeteiligte Personen mit Flaschen, Tischen und anderen Gegenständen beworfen.

20 000 England-Fans in Stuttgart

Am Spieltag versammelten sich schon Stunden vor dem Spiel an die 20 000 englische Fans auf dem Schlossplatz, doch zu Auseinandersetzungen kam es zunächst nicht. "Wie die Leute das bei diesen Temperaturen und unter Alkoholeinfluss dort stundenlang aushalten wollen, ist mir schleierhaft", sagte Polizeisprecher Olef Petersen: "Die Anreise in die Stadt ist aber sehr ruhig verlaufen." Auch in den ersten Stunden nach der Partie zwischen England und Ecuador (1:0) musste die Polizei keine nenneswerten Zwischenfälle vermelden.

Bereits im Umfeld der Vorrundenspiele zwischen Deutschland und Polen in Dortmund sowie zwischen England und Schweden in Köln waren insgesamt 566 Personen vorübergehend festgenommen worden. Michael Endler, Leiter der in der bundesweiten Sicherheitskoordination federführenden Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Neuss, hatte die Polizei nach der insgesamt relativ friedlich verlaufenen Vorrunde vor Nachlässigkeit gewarnt. "Wir haben keinen Grund, uns zurückzulehnen und müssen weiter äußerst wachsam sein. Niemand hat eine Glaskugel, in der angezeigt wird, wie es in den nächsten Tagen aussieht", meinte der Polizeidirektor. Das Zwischenfazit von Endler fiel allerdings äußerst positiv aus. Kein einziges der im Vorfeld heraufbeschworenen Horrorszenarien hätte sich bislang bestätigt. Endler meint, dass die Polizei in einem großen Maß für den bislang erfolgreichen WM-Verlauf verantwortlich ist. Die Polizei gebe eine "kaum noch zuverbessernde Visitenkarte" ab.

© SID

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