5:1 gegen Aserbaidschan
Deutschland knackt den WM-Quali-Rekord

Zehntes Spiel, zehnter Sieg – trotz einer schlechten ersten Hälfte knackt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft den spanischen Weltrekord in der WM-Qualifikation. Das 5:1 gegen Aserbaidschan machte erst spät Spaß.
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Kaiserslautern„Am Anfang war es schwierig und holprig, die zweite Halbzeit war besser“, resümierte Bundestrainer Joachim Löw im TV-Sender RTL. Die Tore erzielten Leon Goretzka mit einem Doppelpack (8./66. Minute), Stürmer Sandro Wagner (54.) sowie Antonio Rüdiger (64.) und Emre Can (81.) mit ihren jeweils ersten Toren im A-Team. Lars Stindl hatte Pech mit einem Pfostenschuss (61.).

Ramil Sheydaev versetzte die beherzt kämpfenden Gäste mit seinem Treffer zum 1:1 in einen kurzen Freudentaumel (34.). Löw stand in seinem 155. Länderspiel als Bundestrainer vor der Pause mehrfach schimpfend am Spielfeldrand, weil seine überwiegend zweite Garde fahrig und pomadig agierte. Die Steigerung versöhnte.

Am Ende klatschte Löw Betreuer und Ersatzspieler ab, winkte ins Publikum und konnte beim Gang in die Kabine wieder lächeln. Die Spanier hatten auf dem Weg zum WM-Titel 2010 ebenfalls eine Zehn-Siege-Quali hingelegt, aber mit geringerer Tordifferenz.

„Es gibt schon einiges zu tun“

„Man macht jetzt einen Fehler, wenn man diese Qualifikation als Maßstab nimmt. Das war gut, das war eine klasse Leistung“, sagte Löw, betonte aber auch sofort: „Bei einer WM wissen wir, dass da ganz andere Kaliber kommen, deshalb sollten wir den Ball insgesamt flach halten. Es gibt schon einiges zu tun.“ Er habe seinen Spielern klar gesagt, was er mit Blick auf die WM 2018 erwarte. „Wenn man etwas Großes erreichen will, muss man etwas Außergewöhnliches leisten.“

Auf sieben Positionen hatte Löw sein Team verändert, nachdem das WM-Ticket mit dem 3:1-Sieg gegen Nordirland in Belfast bereits am Donnerstag gelöst worden war. Die Partie gegen Aserbaidschan hatte der Bundestrainer daher schon mit Blick auf das große Ziel Titelverteidigung als Beginn der Testphase deklariert und angekündigt, den Zuschauern „Freude bereiten“ zu wollen. Dies misslang anfangs jedoch gründlich - und gelang nur dem Schalker Goretzka mit seinem sehenswerten Hackentreffer aus fünf Metern.

Abgesehen von der frechen Tor-Aktion leistete sich die neuformierte DFB-Elf in einer 1-3-4-2-Formation mit Shkodran Mustafi hinter Joshua Kimmich, Emre Can und Niklas Süle zu viele Fehler im Spielaufbau, wirkte unsortiert und ideenlos. Schon in der ersten Minute spielte Torwart Bernd Leno dem Gegner den Ball in die Füße, in der 13. Minute verpasste Richard Almeida nach feinem Zuspiel von Sheydaev das 1:1.

20 Minuten waren gespielt, als Löw nach einem weiteren misslungenen Pass von Can und einem weiteren Wackler von Leno an der Seitenlinie erstmals fuchsteufelswild wurde. Mit erhobenem Zeigefinger und abwinkender Geste ermahnte er seine pomadigen Profis zu mehr Konzentration und Einsatz. Zu wenig Bewegung, zu wenig Laufbereitschaft charakterisierten das deutsche Spiel.

Und als die Zuschauer endlich mit der ersten sehenswerten Kombination über Stindl und Thomas Müller einen kleinen fußballerischen Lichtblick zu sehen bekamen, brachte Wagner das Kunststück fertig, alleine vor dem leeren Tor nur den Pfosten zu treffen (31.).

Die an bizarren Situationen reiche erste Hälfte fand ihren Tiefpunkt dann wenig später beim Ausgleich für Aserbaidschan. Der zunächst ganz schwache Julian Brandt verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung, Mustafi verletzte sich im Laufduell mit Sheydaev und blieb am Boden liegen. Der Angreifer von Karabach Agdam narrte Antonio Rüdiger, der in der 22. Minute für den angeschlagenen Süle gekommen war, und düpierte auch noch Leno mit einem Schuss in das kurze Eck.

Der Torwart von Bayer Leverkusen erwischte wieder einmal einen schwarzen Abend im Nationaltrikot und konnte seine Bewährungschance wie viele seiner Mitspieler nicht nutzen. Das 1:1 war die verdiente Bestrafung einer anfangs Weltmeister-unwürdigen Vorstellung.

„Wir bringen uns teilweise selber in Schwierigkeiten“, sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff im TV-Sender RTL zur Pause noch recht diplomatisch und hoffte auf „klare Worte“ Löws, der beim Pausenpfiff entschlossen Richtung Kabine geeilt war. Zuvor scheiterte Wagner per Kopf am gut reagierenden Gäste-Torwart Kamran Agajev (36.), Sané verzog aus kurzer Distanz vor dem Tor (45.+2).

Nach dem Wechsel änderte sich endlich das Bild grundlegend. Brandt scheiterte nach schönem Pass von Dauerbrenner Kimmich, der als einziger DFB-Profi in allen zehn Quali-Spielen zum Einsatz kam, an Agajev (47.). Insgesamt war nun das Bemühen zu erkennen, den schlechten Eindruck der ersten 45 Minuten korrigieren zu wollen.

Im dritten Anlauf klappte es endlich bei Wagner, der eine Brandt-Flanke per Kopf zum 2:1 vollendete und in seinem fünften Länderspiel zum fünften Mal traf. Rüdiger, Goretzka und Can sorgten mit ihren Toren noch für einen versöhnlichen Abschluss des Abends. Der einzige deutsche Aussetzer blieb folgenlos: Magomed Mirzabekov traf erst nur den Pfosten, der für Mustafi eingewechselte Matthias Ginter klärte auf der Linie (85.).

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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