50+1-Regel bleibt
Liga sagt Nein zu Investoren

Mit überwältigender Mehrheit haben die 36 Klubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga die Abschaffung der 50+1-Regel, nach der Investoren nicht die Mehrheit an deutschen Fußballklubs übernehmen dürfen, abgelehnt. Auch einen Konsensvorschlag des Zweitligisten FSV Frankfurt wurde abgeschmettert. Beobachter sehen das Abstimmungsergebnis als verpasste Chance.
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KÖLN. Martin Kind ist standhaft geblieben. Er lasse sich nicht einschüchtern, sagte der Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96, als Randalierer im Oktober in ganz Deutschland Filialen seiner Hörgerätefirma beschmierten - "50+1 bleibt" stand da zu lesen. Selbst der Druck der Liga-Konkurrenz ließ Kind nicht einknicken. Am Dienstag noch nannte ihn Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, einen Erpresser. Kinds Ziel: die Abschaffung der 50+1-Regel, nach der Investoren nicht die Mehrheit an deutschen Fußballklubs übernehmen dürfen.

Der Widerstand gegen Kinds Pläne hat sich jedoch als zu groß erwiesen. Mit überwältigender Mehrheit beschlossen die 36 Klubs der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga am Montag, dass die 50+1-Regel bestehen bleibt. Nur eine einzige Stimme erhielt Kind für seinen Antrag - vermutlich war es die eigene. Er hätte eine Zwei-Drittel-Mehrheit benötigt.

Klare Grenzen für den Einfluss

Kritiker sehen das Abstimmungsergebnis als verpasste Chance für mehr Wachstum. "Die 50+1-Regel gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga gegenüber dem Ausland", sagte Philipp Grothe, Chef des Sportvermarkters Kentaro, dem Handelsblatt. Die Abschaffung hätte seiner Meinung nach nicht nur den Vorteil geboten, dass die Vereine zusätzliches Kapital anlocken könnten - und sich damit gleichzeitig weiter professionalisieren: "Wer investiert, will sein Geld nicht mit mangelhaften Strukturen in den Sand setzen."

Auch einen Konsensvorschlag des Zweitligisten FSV Frankfurt lehnten die Klubvertreter ab. Danach hätte ein Modell entwickelt werden sollen, das eine Übernahme zwar untersagt, Investoren aber mehr Einfluss gewährt. Dabei setzte schon Kinds Vorschlag Anlegern mehr Grenzen, als es etwa in England der Fall ist. Er wollte sie dazu verpflichten, Anteile mindestens zehn Jahre zu halten - und diese im Falle einer Insolvenz kostenlos zurückzugeben.

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  • Da gibt es doch wahrlich noch einen bereich, indem das Geld nicht uneingeschränkt herrscht!

    Dies gehört sofort abgeschafft. Sport? So ein Quatsch. Erfolge soll man kaufen können, sie müssen an einer börse handelbar sein.

    Und so heist es dann mal: bayern gewann mit einer Zahlung von 5Mio das Spiel mit 5:0.

    Schöne Aussichten. Aber glücklicherweise haben die Funktionäre hier mehr intelligenz bewiesen, als ihnen nachgesagt wird.

    Langsam opfern wir dem Kapital wirklich alles....

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