6:0 gegen San Marino
Sanfter Weckruf für DFB-Team

dpa HAMBURG. Als Joachim Löw sein Personal 15 Stunden nach der Pflichtübung gegen San Marino zum lockeren Austraben auf das Trainingsgelände des Hamburger SV bat, war das zwiespältige 6:0 gegen den Fußball-Zwerg längst abgehakt.

„Wir haben uns ein bisschen heiß gelaufen. Wir brauchen den Rhythmus für das Mittwoch-Spiel gegen die Slowakei“, sagte der Bundestrainer, der noch in der Nacht nach dem Spiel mit seinem Team nach einem Charterflug Quartier im Hamburger „Side-Hotel“ bezogen hatte. Mit etwas müden Körpern präparierten sich die deutschen Nationalspieler gegen Mittag erstmals bei einer Brise Hamburger Luft auf die echte Herausforderung gegen die Slowaken. „Ob 13:0 oder 6:0 - wichtig ist der Sieg“, wollte dann wie all seine Kollegen auch der starke Marcell Jansen nicht mehr über die Höhe des Erfolges gegen den „Sparringspartner“ (Löw) San Marino diskutieren.

Die Erkenntnisse aus der höchstens durchschnittlichen Vorstellung vor 43 967 Zuschauern in Nürnberg hielten sich für Löw und die Spieler ohnehin in Grenzen. „Ich glaube, das war für uns alle so ein bisschen ein Weckruf. Dass wir wissen, wir müssen mehr tun“, erklärte Jens Lehmann, der eigentlich das Duell gegen die Slowakei gar nicht mehr erleben dürfte. Nur eine Fehlentscheidung des finnischen Schiedsrichters Tony Asumaa, der das Handspiel nach dickem Patzer des deutschen Torhüters außerhalb des Strafraums (43. Minute) nicht richtig gesehen hatte, verhinderte den Platzverweis für Lehmann. „Ich habe geträumt - zwei Mal“, gestand der Arsenal-Keeper. Die Fouls von Davide Simoncini sah der Referee dagegen - und erst nach Gelb-Rot für den besten Gäste-Spieler (53.) lief die DFB-Tormaschine richtig an.

Die spannendste Entscheidung für das Aufeinandertreffen des Spitzenreiters der EM-Gruppe D, der die Tabellenführung (16 Punkte) auch durch das torlose Remis der Tschechen (14 und ein Spiel mehr) in Wales zementieren konnte, hatte Löw schon unmittelbar nach dem Abpfiff in Nürnberg getroffen. Der derzeit durch körperliche Malaise und Wechsel-Spekulationen gehemmte und gelähmte Miroslav Klose wird auch in Hamburg von Beginn an stürmen. „Auf jeden Fall, es bleibt dabei. Wir verschließen nicht die Augen, dass Miro nicht in Form ist. Aber wir stehen zu Miro, wir stärken ihm absolut den Rücken“, erklärte der Bundestrainer noch in den Katakomben des Frankenstadions und nahm damit einige Luft aus den brisanten Debatten.

Klose selbst, der in Nürnberg sein einwöchiges öffentliches Schweigen brach, weiß natürlich um diese Brisanz fast genau ein Jahr vor dem EM-Start. Er sei ein „bisschen verärgert“ über seine erneute Nullnummer, immerhin hat der WM-Torschützenkönig von 2006 seit neun Monaten im Adler-Trikot nicht mehr getroffen. „Aber ich habe am Mittwoch noch die Möglichkeit, das wird ein anderes Spiel.“

Mit dem starken Stuttgarter Meister-Stürmer Mario Gomez, der nach seiner Einwechslung (59.) gleich zwei Mal traf (63./65.), und Kevin Kuranyi, der nach zäher erster Hälfte den Torbann durchbrochen hatte (45.), unterstrichen vor allem Kloses Angriffs-Kollegen ihre Bewerbungen um einen Startplatz. „Man merkt, dass Mario vor Begeisterung sprüht“, erkannte auch Löw und schloss diplomatisch an: „Ich bin froh, dass wir solche Waffen in der Hinterhand haben wie Gomez und Helmes.“ Gomez selbst hielt sich mit öffentlichen Ansprüchen trotz dreier Tore in zwei DFB-Einsätzen zurück: „Ich habe zwei Spiele gemacht, Miro spielt schon sieben Jahre auf höchstem Niveau für Deutschland. Da gibt es nichts zu rütteln.“

Auch bei der Gesamteinschätzung des 6:0 bewies der erst 21 Jahre alte VfB-Stürmer, den auch seine lange Verletzungspause nichts von seiner Torgefährlichkeit gekostet hat, Realitätssinn: „Das darf man nicht überbewerten, das war ein unterklassiger Gegner.“ Neben den beiden Stürmern hatten sich noch Jansen (52.) und Clemens Fritz (67.) mit ihren jeweils ersten Länderspiel-Treffern sowie Torsten Frings mit einem Foulelfmeter (54.) an der späten Torjagd beteiligt.

Nach dem Ausrutscher des ärgsten Rivalen Tschechien in Wales könnte das Löw-Team in der AOL-Arena schon eine Vorentscheidung in der EM-Gruppe erzwingen. Bei einem deutschen Sieg würde der Vorsprung auf fünf Punkte anwachsen. „Die Slowakei ist ein anderes Kaliber“, warnte aber Jansen. Der Neu-Bayer wartete wie schon beim 2:1 in Tschechien mit einer guten Leistung auf der linken Außenbahn auf und hat die Verschiebung seines neuen Münchner Kollegen Philipp Lahm auf die rechte Seite erst einmal fest geschrieben. „Wir freuen uns auf die Slowakei und werden uns top vorbereiten. Da werden wir wieder unser Spiel machen“, versprach Jansen.

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