87,6 Mill. Zuschauer freuen
"WM-Public-Viewing" mobilisiert die Massen

Die Weltmeisterschaft in Deutschland sorgt auch beim "Public Viewing" weiter für Rekorde. Bislang sollen über elf Mill. Fans, allein in den zwölf WM-Städten, die Spiele auf öffentlichen Plätzen verfolgt haben.

Nicht nur im Stadion ist die Weltmeisterschaft in Deutschland ein Hit, auch im TV und beim Public Viewing purzeln die Rekorde: ARD und ZDF durften sich, nach Angaben des Rechteverkäufers Infront, bei den ersten vier WM-Spielen der Deutschen über insgesamt 87,6 Mill. Zuschauer freuen, was einen Schnitt von 21,9 Mill. ergibt. Bei der WM 1998 in Frankreich schauten rund 500 000 Fans weniger als in diesem Jahr die ersten vier Spiele.

Das erscheint nicht signifikant, doch müssen diese Ziffern in Relation zu einer anderen Zahl gesetzt werden. Vor acht Jahren gab es das Phänomen des "Public Viewing", der Fanfeste noch nicht. Das in England beheimatete Institut Sponsorship Intelligence, das den Weltverband Fifa die Reichweiten ermittelt, schätzt die Zahl der Fans, die allein in den zwölf WM-Städten die Spiele auf den öffentlichen Plätzen verfolgen, auf bislang über elf Millionen. Diese Menschen werden aber bei keiner Quotenerhebung erfasst.

Fanfeste nur die Spitze des Eisbergs

Die gratis zugänglichen offiziellen 15 Fanfeste sind dabei nur die Spitze eines Eisberges. Dominik A. Schmid, Geschäftsführer bei Infront: "Wir haben an Kleinstädte, Kneipen, Kirchen, Jugendtreffs und andere weitere Hunderte von Lizenzen ausgegeben."

Um alle Anträge zu prüfen, musste Infront sogar eine weitere Sekretärin anstellen. Schmid: "In der Regel haben wir das TV-Signal gratis abgegeben. Nur, wenn Eintritt erhoben wurde oder im großen Stil mit Sponsoren gearbeitet wurde, haben wir eine Lizenzgebühr verlangt."

Die wandert allerdings nicht auf ein Konto der in der Schweiz beheimateten Firma, für die auch Günter Netzer arbeitet, sondern kommt der Aktion "Sechs Dörfer für 2006" der SOS-Kinderdörfer zugute. Schmid: "Es wird ein deutlich sechstelliger Euro-Betrag werden."

Der Erfolg der Fanfeste - die größte Fußballparty aller Zeiten, wie die Fifa inzwischen schreibt - hat sowohl die Städte, die immer größere Bereiche freigeben müssen, als auch die Fifa überrascht. Präsident Joseph S. Blatter: "Wir hatten mit acht Mill. Besuchern für die gesamte WM gerechnet. Ich kann den Städten nur gratulieren. Sie haben die Stadionatmosphäre in die Innenstädte gebracht."

WM-OK vermittelt zwischen WM-Städten und Fifa

Bis es so weit war, bedurfte es zahlreicher Verhandlungsrunden und vor allem intensiver Vermittlungsarbeit des deutschen Organisationskomitees. Zu sehr prallten ursprünglich die Ansichten der Fifa, welche die Rechte ihrer Hauptsponsoren schützen wollte, und der Städte, die lokale Sponsoren auftreiben wollte, um die Kosten für die Sicherheit wieder einzutreiben, aufeinander.

Letztendlich wurde ein gutes Miteinander zum Wohle der Fans gefunden, zumal die vier Top-Sonsoren der Fifa (Coca-Cola, Hyundai, Mastercard, Toshiba) sich finanziell engagierten. Und eine Kneipe darf auch einen Sonnenschirm oder Aschenbecher von Nicht-Fifa-Sponsoren nutzen, ohne dass die Rechtsabteilung des Weltverbandes kostenpflichtige Abmahnungen schickt.

17 000 Beschäftigte sorgen für einen reibungslosen Ablauf, 34 Videowände mit einer Fläche von 1 728 Quadratmetern wurden aufgebaut, knapp 2,5 Mill. Liter Bier in den beiden ersten Wochen getrunken.

Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um zu prophezeien, dass "Public Viewing" - als Phänomen erstmals vor vier Jahren in Seoul wahrgenommen - in Zukunft aus den Planungen der Fifa nicht mehr wegzudenken sein wird.

© SID

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