Absturz des Hamburer SV
Der Dinosaurier wird immer trauriger

Sportlich leistete sich der Hamburger gegen Augsburg eine Bankrott-Erklärung. Finanziell steht sie dem Bundesliga-Dino noch ins Haus. Wenn nicht schnell frisches Geld fließt, droht der Absturz in die Regionalliga.
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HamburgNoch tickt die berühmteste Stadionuhr Deutschlands. Sekundengenau zeigt sie die Zugehörigkeit des HSV zur Bundesliga an. Doch mittlerweile erinnert sie eher an einen Countdown. Die Zeit des Bundesliga-Dinos scheint abzulaufen. Auf dem Platz steht eine völlig verunsicherte Mannschaft; neben dem Platz ein unfähiges Management. Gemeinsam manövrierten sie den HSV in eine existenzbedrohende Lage.

Wenn der Verein nach dem 34. Spieltag auf einem direkten Abstiegsplatz steht oder spätestens nach den beiden Relegationsspielen den bitteren Gang in die 2. Liga antreten muss, dann könnten die Gegner in der kommenden Saison nicht SV Sandhausen, VFR Aalen oder Erzgebirge Aue, sondern Goslar SC 08, BSV SW Rehden oder BV Cloppenburg heißen.

Und auch bei einem Bundesligaverbleib muss der mit knapp 100 Millionen Euro verschuldete HSV um die Lizenz zittern; bei einem Abstieg droht der totale Absturz bis in die Regionalliga Nord. Jahrelanges Missmanagement hat seinen Preis und könnte den HSV für Jahre von der Landkarte des Profifußballs wischen.

Mahnend hob bereits im April DFL-Präsident Reinhard Rauball im Sport1-„Doppelpass“ den Zeigefinger in Richtung HSV: „Die Entscheidung über den HSV ist bei der DFL noch nicht endgültig gefallen. Das Entscheidende ist die Liquidität. Die muss sichergestellt sein.“ Rhetorisch gekonnt konterte der Vorstandsvorsitzender des HSV, Carl Edgar Jarchow, den Fingerzeig des DFL-Präsidenten: „Die Entscheidung über die Lizenzvergabe könne ja zu dem frühen Zeitpunkt auch noch nicht gefallen sein.“

Alarmstufe Rot-Hosen

Jarchow versteht es, Situationen runterzuspielen. Vehement betont er, dass die Lizenz zur Spielberichtigung im deutschen Profifußball nicht in Gefahr ist. Selbst einen Absturz in die 2. Bundesliga würde der Fußball-Dino überleben: „Wir sind der Überzeugung, dass wir auch die Lizenz für die 2. Liga bekommen würden“, sagt der Klubchef. Seine Überzeugung beruht auf einer simplen Rechnung: „Natürlich wäre der Etat in der 2. Liga geringer. Dann würde man sich sicherlich auch von dem einen oder anderen Spieler trennen müssen.“

Doch Edgar Jarchow verklärt die Situation: Ohne außerordentliche Einnahmen von 10 Millionen Euro bei zukünftiger Erstligazugehörigkeit - beziehungsweise 20 Millionen Euro beim Absturz in die 2. Bundesliga - erteilt die DFL vielleicht dem Klub von Elbe und Alster keine Lizenz für den deutschen Profifußball. Das Eigenkapital des Vereins ist aufgebraucht. Dem HSV droht ein Erwachen in der Regionalliga Nord. Noch bis zum 28. Mai hat der Bundesliga-Dino Zeit, das Horrorszenario abzuwenden.

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