Abwehrarbeit verbessern
Laufwege stehen auf der Trainingsliste ganz oben

Taktikschulung steht für die deutschen Nationalspieler derzeit auf dem Programm. Besonders die Viererkette um Per Mertesacker bekommt von Joachim Löw die Laufwege immer wieder eingeschärft.

Nach den unzähligen taktischen Übungen werden die deutschen Abwehrspieler wahrscheinlich vom Verschieben in der Viererkette träumen. Und genau das will Joachim Löw erreichen: Im Schlaf sollen Arne Friedrich, Per Mertesacker, Christoph Metzelder und Marcell Jansen die Abläufe beherrschen. Daher werden die Nationalspieler immer wieder vom Bundestrainer-Assistenten korrigiert - einmal passt der Abstand, dann wieder der Zeitpunkt oder die Geschwindigkeit nicht.

Doch es ist nicht nur die Abwehr, die seit Tagen im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft die richtige Taktik einstudiert. Auch im Mittelfeld und im Angriff wird pausenlos daran gefeilt, dass ein Rädchen ins andere greift. "Die Inhalte der Trainingsarbeit sind klar: Laufwege, Laufwege und noch einmal Laufwege", erklärt Löw, auf dem Trainingsplatz für die Umsetzung der Vorgaben verantwortlich, die Inhalte der Einheiten.

Automatisierung, aber keine Perfektion

Bis zum WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München gegen Costa Rica soll die deutsche Mannschaft das System verinnerlicht haben. "Wir müssen das im Schlaf beherrschen", sagt Metzelder. "Automatisieren der Abläufe" nennt es Bundestrainer Jürgen Klinsmann, auch wenn er einschränkt: "Es wird kaum möglich sein, dass wir das zur Perfektion bringen." Die beiden Partien am Dienstag in Leverkusen gegen Japan und am Freitag in Gladbach gegen Kolumbien sollen zumindest die erzielten Fortschritte im taktischen Bereich dokumentieren.

"Jeder muss Bescheid wissen, wo der andere hinläuft", beschreibt Torwart Jens Lehmann den Idealzustand. Dieser Prozess liefe in anderen Ländern automatisch ab, in Deutschland könne man das noch optimieren, meint Löw und spricht von "elementaren Dingen in der täglichen Trainingsarbeit". Im Ausland würden schon in der Jugend die Systeme verinnerlicht, taktische Früherziehung sozusagen.

Entsprechend intensiv muss die Taktik selbst bei der Nationalelf in Deutschland geübt werden. Als Grundsystem für die WM ist dabei ein klassisches 4-4-2 vorgesehen. Eine Dreier-Abwehrkette soll nur im Notfall zum Einsatz kommen, etwa bei einem Rückstand kurz vor Schluss oder einem Platzverweis. Grundsätzlich soll das Mittelfeld in einer Raute postiert sein. Heißt: Torsten Frings spielt bei Ballbesitz zentral vor der Abwehr, Kapitän Michael Ballack vor dem Bremer.

Schnelle Einstellung auf verschiedene Systeme

Dies sei aber nur eine von drei Varianten, so Klinsmann. Die andere sieht eine so genannte "flache Vier" im Mittelfeld vor. Das würde bedeuten, dass Ballack und Frings in der Grundausrichtung auf einer Linie agieren würden. Die dritte Möglichkeit ist ein 4-3-3-System. In diesem Fall würden vor einem Dreier-Mittelfeld zwei Spieler über die Außenbahnen angreifen. Ein Stürmer wäre zentral postiert. Für diese Variante käme etwa "Flügelflitzer" David Odonkor über rechts in Frage.

"Wichtig ist, dass wir flexibel sind und auf verschiedene Spielsituationen reagieren können. Da darf nicht lange überlegt werden, das muss sofort greifen", verdeutlicht Klinsmann, für den Ballack in allen Systemen die zentrale Figur ist.

Doch egal welches System: Die Mannschaft soll kompakt auftreten, auch die Stürmer sollen bei gegnerischem Ballbesitz Defensivaufgaben übernehmen und mit ihren Attacken das Pressing einleiten. Wichtig ist Klinsmann und Löw vor allem aber, dass aus der jeweiligen Taktik heraus die Philosophie von Offensiv-Fußball umgesetzt wird. "Wir wollen den ersten Ball immer nach vorne spielen", erklärt Löw. Die "vertikale Spielweise" müssten die Spieler verinnerlicht haben, meint Klinsmann.

Auch in dieser Hinsicht hätten die Spieler Nachholbedarf, merkt Löw kritisch an. In der Bundesliga sei zuweilen "das Spiel ein bisschen in die Breite angelegt. Wir müssen insgesamt im Tempo noch ein Stück zulegen." Dies fordert auch Teammanager Oliver Bierhoff: "Vom Tempo her liegen manche Ligen zehn bis 15 Prozent über der Bundesliga. Wir müssen einfach das Niveau erhöhen von der Trainingsintensität und von der Qualität der Arbeit." Ohne die richtige Taktik, verdeutlicht noch einmal Löw, "habe ich sowieso keine Chance mehr, weil jede kleine Nation diese Dinge beherrscht".

© SID

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