Ärger im Team bei Serbien und Montenegro
Nur Robben sorgt für Hauch von Champagner-Fußball

Arjen Robben war der klare Matchwinner des WM-Vorrundenspiels Niederlande gegen Serbien und Montenegro (1:0). Doch sein Teamkollege Robin van Persie fordert weniger Eigensinnigkeit von dem Dribbelkünstler.

"Goldjunge" Arjen Robben dirigierte nach seiner Galavorstellung 20 000 begeisterte Oranje-Fans auf der Tribüne und gab den WM-Titel als Ziel für die Niederlande aus. Mit seinem Treffer in der 18. Minute zum 1:0 (1:0) gegen die Abwehrkünstler von Serbien und Montenegro bescherte der erkältete Stürmerstar seinem Team in Leipzig einen perfekten Start in der "Hammergruppe C".

In der Heimat des zweimaligen Vizeweltmeisters feierten die Anhänger den Erfolg in den großen Städten mit spontanen Autokorsi, auch wenn in der vom deutschen Schiedsrichter Markus Merk souverän geleiteten Partie nur Robben weltmeisterlich aufspielte. Wir können noch besser spielen, und wir werden es auch müssen. Aber die Erleichterung über diesen Traumstart ist bei allen riesig", meinte Robben.

Van Persie fordert mehr Teamgeist von Robben

Zwar bedankten sich seine Kollegen mit einer Umarmung beim Stürmerstar des englischen Meisters Chelsea London, doch in den Jubel um Robben mischten sich auch kritische Stimmen. Sturmpartner Robin van Persie warf dem Matchwinner Eigensinnigkeit vor: "Er muss auch seine Mitspieler berücksichtigen. Er trifft Entscheidungen immer nur in seinem Sinn und nicht im Sinn des Teams. Wir wollen bei der WM noch sechs Spiele machen, und die kann Robben nicht alleine bestreiten", meinte der Angreifer von Arsenal London.

Eigensinnigkeit hin, Eigensinnigkeit her - der serbische Trainer Ilija Petkovic wechselte Robbens Gegenspieler Nenad Djordjevic nicht von ungefähr schon zwei Minuten vor der Pause völlig entnervt aus und stellte den "Oranje"-Linksaußen auf eine Stufe mit Brasiliens Superstar Ronaldinho ("Beide sind nicht zu stoppen"). Auch Bondscoach Marco von Basten rief Robben zu einem der "kommenden großen Stars der WM" aus.

Die Lobeshymnen konterte der mit einem Silberbecher belohnte "Man of the Match" mit einem klaren Auftrag an sein Team: "Ich will nicht bester Spieler des Turniers werden, sondern den WM-Pokal gewinnen."

Robbens Sololäufe sorgen für Hauch von Champagner-Fußball

Dazu müssen die Niederländer jedoch gegen die nächsten Gruppengegner Argentinien und Elfenbeinküste wesentlich mehr bieten, denn nur bei Robbens Sololäufen und Torschüssen wehte ein Hauch vom Champagner-Fußball früherer Tage durch die in die Farbe Orange getauchte Arena.

"Vanbastisch", wie einige Fans in Anspielung auf den Trainer auf ihre T-Shirts geschrieben hatte - war das noch lange nicht. "Wir haben verdient gewonnen, aber nicht gut gespielt", mäkelte "König" Johan Cruyff zu Recht: "Robben hat den entscheidenden Unterschied ausgemacht." So auch beim einzigen Tor vor 37 216 Zuschauern in der überraschend nicht ausverkauften Arena nach einem Traumpass ausgrechnet von Robben-Kritiker van Persie.

Van der Vaart hofft auf Einsatz im nächsten Spiel

Nach dem einzigen Glanzpunkt ging auf beiden Seiten nicht mehr viel, was Robben auf die große Hitze schob: "Das hat mich schon sehr belastet, zumal ich ziemlich erkältet bin." Seinen Teamkollegen um den enttäuschenden Ruud van Nistelrooy fehlte nach dem 1:0 die Inspiration, was Bundesliga-Legionär Rafael van der Vaart von der Bank beobachten konnte. "Ich hoffe, dass ich beim nächsten Spiel dabei bin", meinte der Spielmacher des Hamburger SV.

Van Basten, der van der Vaarts Klubkameraden Khalid Boulahrouz erst kurz vor dem Abpfiff einwechselte, verschob allerdings zunächst jegliche Personaldiskussionen nach dem gelungenen Start - die Niederlande bleiben in WM-Auftaktspielen ungeschlagen - und ordnete eine kleine Siegesfeier beim abendlichen Charterflug zurück ins WM-Quartier in Hinterzarten an.

Petkovic ließ Pressekonferenz abbrechen

Bei den Serben, die in ihren zehn WM-Qualifikationsspielen nur einen Gegentreffer kassiert hatten, herrschte nach der Pleite dicke Luft. Petkovic ließ sogar die Pressekonferenz vorzeitig abbrechen. Damit ging er unangenehmen Fragen über die überraschende Auswechslung von Kapitän Savo Milosevic zur Pause aus dem Weg - der Stürmer war trotz vier vergebenen Chancen der einzig wirklich torgefährliche Spieler des harmlosen Balkan-Teams gewesen.

"Wegen Milosevic müssen sie schon den Trainer fragen", meinte Mladen Krstajic vieldeutig. Der Legionär von Schalke 04 war "stolz, aber enttäuscht" und gab das Prinzip Hoffnung aus: "Wir sind noch nicht tot. Unser Ziel ist Platz zwei."

© SID

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