Affäre um WM-Vergabe
Netzer droht mit Klage, Zwanziger kontert

Günter Netzer setzt Theo Zwanziger unter Druck. Falls er die Behauptungen zu Netzers Rolle beim WM-Skandal nicht unterlässt, will er wegen Verleumdung klagen. Niersbach will derweil nicht vor dem Sportausschuss aussagen.

Berlin/LondonIn der Affäre um die Fußball-WM 2006 geht Günter Netzer juristisch gegen den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger vor. Entsprechende Berichte der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Sport-Bild“ bestätigte Netzers Medienanwalt Ralf Höcker der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Hintergrund sind Zwanzigers Behauptungen, wonach er von Netzer erfahren habe, dass das WM-Bewerbungskomitee die Stimmen der vier asiatischen Vertreter in der FIFA-Exekutive bei der WM-Vergabe gekauft habe.

Netzers Anwälte setzten Zwanziger eine Frist bis Freitag für eine Erklärung, künftige Behauptungen zu unterlassen. Andernfalls werde Netzer den langjährigen Funktionär verklagen. Als Kronzeugin soll dessen Frau aussagen, die während des Gesprächs mit Zwanziger dabei gewesen sei.

Die Version, dass Netzers Frau während des gesamten Gesprächs dabei war, weist der frühere DFB-Präsident jedoch zurück. „Ich habe die Unterlassungserklärung noch nicht gesehen, die liegt bei meinem Anwalt. Aber ich sage die Wahrheit. Und wenn ich die Wahrheit sage, unterzeichne ich doch keine Unterlassungserklärung, in der ich davon abrücke“, sagte Zwanziger der Deutschen Presse-Agentur.

Am Nachmittag hat DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bei der Aufklärung auf die Bremse getreten. Er teilte dem Sportausschuss des Bundestages mit, vorerst nicht Rede und Antwort stehen zu wollen. Das Gremium hatte Aufklärung von Niersbach verlangt und ihn zur nächsten Sitzung am 4. November eingeladen.

„Der DFB hat mir heute schriftlich mitgeteilt, dass man die Einladung für kommende Woche nicht wahrnehmen könne, da man zunächst die Ergebnisse der externen Prüfung abwarten wolle“, sagte die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Eine grundsätzliche Gesprächsbereitschaft hat der DFB aber ebenfalls signalisiert.“

Niersbach steht derzeit wegen einer ominösen Millionen-Zahlung vor der WM 2006 schwer in der Kritik. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Entscheidung für Deutschland als WM-Ausrichter durch einen Stimmenkauf zustande kam. Auf die Frage, ob der Sportausschuss erwäge, auch andere Beteiligte in der Affäre einzuladen, sagte Freitag: „Ich kann mir vorstellen, dass alle Fraktionen ein Interesse daran haben, mit dem DFB in einer Sportausschusssitzung das Thema im direkten Austausch zu diskutieren.“

Die Absage von Niersbach sei aber „erst ein paar Augenblicke alt. Eine Entscheidung über das weitere Prozedere ist daher noch nicht gefallen.“ Darüber müssten ohnehin die Obleute der Fraktionen entscheiden.

Indes kommen die britischen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche im Zuge der Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar voran. Seine Behörde habe kürzlich neue Informationen erhalten, sagte David Green, Direktor des für schwere Betrugsdelikte zuständigen Serious Fraud Office, am Mittwoch vor dem Sportausschuss im Londoner Parlament. Details könne er aber zunächst nicht nennen.

Im Blick haben die Beamten etwa eine Summe von 500.000 Australischen Dollar (237.000 Euro), die das australische Bewerbungskomitee an den damaligen Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner gezahlt haben soll und die angeblich über London geflossen ist. „Es könnte Geldwäsche sein, ja“, sagte Green. Fünf seiner Ermittler arbeiteten sich derzeit durch mehr als 1600 Dokumente zu Englands gescheiterter Bewerbung um die WM 2018.

Das Serious Fraud Office hatte Ende Mai mit den Ermittlungen begonnen. Im Rahmen der US-Ermittlungen gegen Fifa-Funktionäre war einer Sprecherin zufolge deutlich geworden, dass Fifa-Gelder über Konten bei den britischen Großbanken Barclays, HSBC und Standard Chartered geleitet worden waren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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