Afrikas Hoffnung ausgeschieden
„Oranje“ taumelt ins Achtelfinale

Die Niederlande quälten sich im Spiel gegen die Elfenbeinküste regelrecht zum Sieg. Die Mannen von Bondscoach Van Basten wussten nur über einige Phasen zu überzeugen und spielten äußerst passiv. Die Elfenbeinküste um Sturmbomber Drogba muss nun die bittere Heimreise antreten.

STUTTGART. Oh weh, Oranje, das war knapp! Mit einem glücklichen 2:1 (2:1)-Sieg gegen die Elfenbeinküste hat sich die niederländische Fußball-Nationalmannschaft als fünftes Team (CHECK) für das Achtelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Die Holländer boten von wenigen guten Minuten abgesehen, eine schwache Leistung und mussten während des gesamten Spiels um den Sieg zittern.Der hoch gehandelte WM-Debütant Elfenbeinküste ist durch die Niederlage vorzeitig ausgeschieden.

Dabei hatte die Oranje-Elf gegen die Elfenbeinküste, die vom Franzosen Henri Michel trainiert wird, schnell in die Erfolgsspur gefunden. Nach nur 28 Minuten stand es bereits 2:0 für die Mannschaft von Marco van Basten. In der 23. Minute hatte Robin van Persie (Arsenal London) den Ball von der rechten Seite in die Mitte getrieben und ein Foul provoziert. Den Freistoß aus 20 Metern trat er selbst und traf genau in den linken Winkel. 1:0 für Holland! Nur fünf Minuten später spielte Arjen Robben (Chelsea), der im ersten Gruppenspiel gegen Serbien Montenegro eine Weltklasseleistung geboten hatte, einen wunderbaren Steilpass auf Ruud van Nistelrooij (Manchester United), der keine Mühe hatte, Torwart Jean-Jacques Tizie vom tunesischen Verein Esperance zu überwinden.Bezeichnenderweise fielen diese beiden Tore nach selten spielerisch guten Kombinationen der Holländer. Die meisten Angriffe der Oranjes liefen in der ersten Halbzeit nämlich nach dem Prinzip "Kick and Rush" ab. Das hatte gleich zu Beginn der Partie zweimal zu einigermaßen gefährlichen Situationen geführt. Doch danach ernteten die Holländer damit nur noch Abseitspositionen und Ballverluste.

Bis zum 2:0 hatten die Holländer das Spiel trotzdem ganz gut im Griff. Sie besaßen das Übergewicht im Mittelfeld und die Spieler der Elfenbeinküste agierten zu nervös. Doch nach dem Doppelschlag drehte sich das erstaunlicherweise. Der bekannteste Spieler der Elfenbeinküste, Didier Drogba (Chelsea) hatte wenige Stunden vor dem Spiel schon gesagt: "Es liegt auf der Hand, dass alles von diesem Spiel gegen die Niederländer abhängt. Und ich garantiere Ihnen, dass man das auf dem Spielfeld sehen wird!"

Und genau das sah man in der Tat. Während die Holländer einen Gang runter schalteten, verstärkte die Elfenbeinküste nun ihre Angriffsbemühungen. Schon in der 38. Minute wurden die belohnt: Bakary Kone (Nizza) schnappte sich im Mittelfeld den Ball und rannte aufs Tor zu. Da ihn niederländischer Abwehrspieler angriff, konnte er sich den Ball im Lauf zurecht legen und aus 21 Metern in den linken Winkel schießen. Es stand nur noch 2:1. Fünf Minuten vorher hatte auch Didier Zokora (St. Etienne) schon das Lattenkreuz der Holländer getroffen. Es hätte also auch schon 2:2 stehen können.

Oder 3:3, wenn Schiedsrichter Oscar Ruiz aus Kolumbien und seine Assistenten ihre Arbeit richtig gemacht hätten. Denn er verweigerte sowohl den Holländern als auch den Spielern der Elfenbeinküste einen berechtigten Foul-Elfmeter. Der Kolumbianer zeigte dabei dem völlig perplexem Arjen Robben für eine angebliche Schwalbe gar zu Unrecht die gelbe Karte. So marschierte die trotz der Führung schwer verunsicherte holländische Elf wohl erleichtert zur Halbzeitpause in die Kabine. Und obwohl das Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion mindestens zur Hälfte mit Oranjes-Anhängern besetzt war, konnten sich ein paar deutsche Blöcke mit den Schmährufen "Ohne Holland fahr?n wir nach Berlin" bemerkbar machen...

Ein paar Minuten nach dem Seitenwechsel musste van Basten dann auch noch John Heitinga (Ajax Amsterdam) auswechseln, der Probleme mit dem Oberschenkel hatte. Für ihn kam der Hamburger Bouhlarouz zu seinem ersten WM-Einsatz. Wenig später durfte auch der zweite Hamburger im Team der Oranjes ran: Rafael van der Vaart kam für Wesley Sneijder (Amsterdam). Das Spiel wurde nun etwas besser. Zum einen, weil die Spieler der Elfenbeinküste keine Minute aufsteckten, zum anderen weil die Holländer ihre Verunsicherung abgelegt hatten und wieder sicherer, wenngleich immer noch nicht überzeugend spielten. Sie konzentrierten sich nun verstärkt auf eine gute Defensivarbeit. Nach 60 Minuten wechselte Elfenbeins Trainer Henri Stürmer Aruna Didane (Lens) für Arouna Kone (Eindhoven) ein, der sich nicht in Szene hatte setzen können. Doch so schön das Spiel der Afrikaner teilweise anzusehen war, vor oder im Strafraum misslang ihnen einfach zu viel. Sie zögerten zu lange, dribbelten sich fest oder die nun sicherer stehende Abwehr der Holländer klärte.

So hatten die Holländer bis zur 70. Minute die besten Torchancen - durch van Nistelrooy. Doch er scheiterte zweimal an Torwart Tizie (52. und 71. Minute). Kurz nach seiner zweiten Tormöglichkeit wechselte van Basten ihn aus und brachte mit Denny Landzaat (Alkmaar) einen defensiven Mittelfeldmann. Wollte er etwa das 2:1 über die Zeit retten? Es sah ganz danach aus, denn die Oranjes-Spieler kamen nun auch kaum noch aus ihrer eigenen Hälfte heraus. Doch der Elfenbeinküste, über deren Spiel Trainer Michel nach der Niederlage gegen Argentinien gesagt hatte "Man hat gesehen, dass wir zu naiv in das Spiel gegangen sind", fehlte die Durchschlagskraft im Angriff. Sie kämpften bis zum Umfallen, aber sie brachten den Ball nicht ins Tor. Am ehesten wäre ihnen das noch in der 78.Minute gelungen, als Persie einen Kopfball von Drogba auf der Linie abwehrte.

Grischa Brower-Rabinowitsch
Grischa Brower-Rabinowitsch
Handelsblatt / Ressortleiter Unternehmen & Märkte
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