Akklimatisierungsprobleme
Deutscher Frühsommer lässt WM-Teams zittern

Togo friert im Allgäu, die Niederländer packen vorsorglich "oranje" Bälle ein und Brasilien schlägt sich mit nasskalten Wetter in der Schweiz herum. Die Vorbereitung zur WM ist aufgrund des Wetters derzeit keine Freude.

Die letzte Phase der Vorbereitung zur Weltmeisterschaft gleicht eher einem Kälte-Test. Viele Mannschaften bekamen die Kapriolen des deutschen Frühsommer-Wetters am eigenem Leib zu spüren, vor allem die Togolesen hatten mit der Anpassung zu kämpfen. Schneefall in Wangen im Allgäu - Mützen, Handschuhe und heißer Tee gehörten zur Grundausstattung der Afrikaner in ihrem WM-Quartier. "Hier ist es schweinekalt. Am Dienstag hatten wir eine Schneedecke auf dem Platz", berichtet Dr. Joachim Schubert, der deutsche Mannschaftsarzt des WM-Neulings.

Deutschlands Gruppengegner Ecuador wurde derweil von einer Erkältungswelle erfasst. Neben Trainer Luis Suarez habe es auch einen Großteil der Mannschaft erwischt, teilte Teamsprecher Victor Mestanza mit. Derweil mussten die Südamerikaner ihr Training in Bad Kissingen auf einen Kunstrasenplatz verlegen, denn der Hauptplatz war wegen des anhaltenden Regens nicht mehr bespielbar.

Eine weiße Überraschung erlebte auch Hinterzarten im Schwarzwald. Mit großer Sorge verfolgten die Niederländer, die am 6. Juni dort Quartier beziehen werden, die Fernsehbilder des realen deutschen Wintermärchens Ende Mai. Derzeit bereitet sich die Mannschaft von Bondscoach Marco van Basten im heimischen Hoenderloo bei immerhin rund zehn Grad Celsius und Regen auf die WM vor. Für Hinterzarten werden nun vorsorglich auch "oranje" Bälle im Reisegepäck verstaut.

Leichte Besserung möglich

Eine grundlegende Besserung für die kommenden Tage kann Diplom-Meteorologe Gery Keller von Jörg Kachelmanns privatem Wetterdienst Meteomedia den Gästen im unfreundlichen deutschen Frühsommer nicht versprechen. "Es bleibt auch die nächsten Tage wechselhaft und kühl. In Wangen muss weiterhin mit Schneeregen bei Temperaturen nur knapp über null Grad gerechnet werden", prognostiziert Keller.

Immerhin deutet sich eine leichte Milderung für das Pfingstwochenende an. "Die Talsohle ist am Freitag durchschritten", sagt Keller: "Aber die Luft kommt weiterhin aus nördlichen Richtungen. Eine grundlegende Umstellung auf Sommerwetter ist nicht in Sicht."

Auch Weltmeister Brasilien schlägt sich mit dem nasskalten Wetter herum. Im verregneten schweizerischen Weggis am Vierwaldstätter See trotzt die Mannschaft den einstelligen Temperaturen jedoch unbeeindruckt mit kurzärmeligen Hemden. Wesentlich weniger abgehärtet scheint der Journalistentross aus Südamerika zu sein. Die Berichterstatter traf die kalte Witterung offenbar völlig unvorbereitet, Heißgetränke sind derzeit bei ihnen mindestens so begehrt wie ein Zitat von Superstar Ronaldinho.

Trainer Carlos Alberto Parreira bereut die Wahl des ersten Quartiers dennoch nicht. "In Deutschland sind die gleichen Voraussetzungen, da können wir uns hier schon drauf einstellen", sagt der Coach im Hinblick auf die zweite Unterkunft in Königstein im Taunus.

"Die meisten spielen doch eh in Europa"

Mittelfeldspieler Ze Roberto, der in der kommenden Saison nicht mehr für den deutschen Rekordmeister Bayern München spielen wird, sieht seine Mitspieler ohnehin bestens gewappnet für den deutschen Sommer. "Das Wetter ist doch völlig egal, die meisten von uns spielen eh in Europa. Wir sind daran gewöhnt", sagt Ze Roberto. Die bislang einzige Änderung, die die Brasilianer vorgenommen haben, war die Verlegung der Open-Air-Mixedzone in einen Presseraum. Durchnässte Spieler und Journalisten können so einer Erkältung vorbeugen.

Im Gegensatz zu den WM-Teilnehmern findet der Meteorologe Keller die derzeitige Wetterlage ziemlich spannend. Als "durchaus ungewöhlich" bezeichnet er die Bedingungen, Vergleichsjahre seien 1962 und 1975. 1962 gab es Anfang Juni in München sogar eine geschlossene Schneedecke, so schlimm wird es diesmal wohl nicht. "Dass nach der aktuellen Kältewelle auch im Juni eine folgt, wäre schon sehr ungewöhnlich", sagt Keller: "Jetzt kann es eigentlich nur noch besser werden." Am 1. Juni ist übrigens meteorologischer Sommeranfang.

© SID

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