Alle Spiele bis auf weiteres abgesagt: Italienischem Fußball drohen harte Strafen

Alle Spiele bis auf weiteres abgesagt
Italienischem Fußball drohen harte Strafen

Dem italienischen Fußball drohen nach der neuerlichen Gewaltwelle gravierende Konsequenzen."Ich bin tief bestürzt. So kann und wird es nicht weitergehen. Es wird jetzt drastische Signale geben, um die Lage radikal zu verändern und die Degeneration des Sports zu verhindern", kommentierte Ministerpräsident Romano Prodi den "Krieg im Stadion" (La Repubblica).

Der neue Uefa-Präsident Michel Platini versprach den Verantwortlichen in Italien im Kampf gegen die Gewalt die volle Unterstützung des Europaverbandes. "Wir müssen nun mit den Offiziellen und den Politikern im Sinne des italienischen Fußballs zusammenarbeiten und eine Lösung finden, wie wir die Spirale der Gewalt in Italien und im gesamten europäischen Fußball stoppen können", meinte der Franzose.

Die gesamte Nation ist zutiefst erschüttert

Am Tag nach den Ausschreitungen, bei denen der 38 Jahre alte Polizist Filippo Raciti durch einen in sein Fahrzeug geworfenen Sprengkörper tödlich verletzt worden war und insgesamt 71 weitere Personen zum Teil schwere Blessuren erlitten hatten, jagte auf politischer Ebene schon eine Krisensitzung die nächste. Der zweite Todesfall auf dem Apennin durch Fußball-Krawalle binnen sechs Tagen sowie die erschreckenden TV-Bilder von der Straßenschlacht der Polizei mit überwiegend vermummten Ultras aus Lagern beider Teams haben die gesamte Nation zutiefst erschüttert, die Auswirkungen auf die Entscheidung über Italiens Bewerbung um die EM-Endrunde 2012 Mitte April beschäftigten die Menschen überhaupt nicht.

Die Kommentare vieler italienischer Zeitungen verdeutlichten den Handlungsbedarf in allen Bereichen. "Szenen wie in Vietnam am Ende eines Fußball-Spiels - in Catania ist der Fußball gestorben", urteilte am Samstag die Zeitung Tuttosport, und La Stampa schrieb: "Ein Toter pro Woche ist der erschreckende Rhythmus des Horrors, den wir noch Fußball nennen. Wir sind ein Land im Würgegriff der Hooligans. Die Bilder aus Catania erinnern uns an Bagdad. Wir sind ein Land im Krieg mit sich selbst."

Italiens kommissarischer Fußball-Präsident Luca Pancalli hatte durch die Absetzung aller Begegnungen inklusive des für Mittwoch geplanten Länderspiels der "Squadra Azzurra" in Siena gegen Rumänien die notwendige Entschlossenheit unter Beweis gestellt. Bereits nach dem Tod eines Funktionärs bei Schlägereien nach einem Amateur-Spiel Ende Januar hatte Pancalli diesen drastischen Schritt für den Fall vergleichbarer Vorkommnisse angekündigt. Die Besinnungspause gilt seinen Worten zufolge unbefristet: "Ein Spieltag reicht nicht. Ohne drastische Änderungen können wir nicht wieder spielen. Genug ist genug."

Am Dienstag debattiert das Parlament

Seit langem schon gilt in Italien der lasche Umgang der Vereine mit den Ultras genannten "Barbaren" (La Repubblica) in ihrer Anhängerschaft als eine bedeutende Ursache für die erschreckende Entwicklung. Melandri und Innenminister Giulinaio Amato beraten am Montag über Mittel und Wege zur effektiven Bekämpfung der außer Kontrolle geratenen Gewalt im Fußball. Für den gleichen Tag hat Liga-Chef Antonio Matarrese die Profi-Vereine zu einer Dringlichkeitssitzung einberufen. Am Dienstag findet im Parlament eine Debatte über die dramatisch eskalierte Situation in und um Italiens Stadien statt.

Präsident Sergio Campana von der Spieler-Gewerkschaft regte zur Bewusstseinsänderung sogar eine einjährige Fußball-Pause für ganz Italien an. "Die Italiener müssen die Ernsthaftigkeit begreifen. Hier ist jedes Maßüberschritten worden. Ich weiß nicht, ob man von sozialem Alarm oder Barbarei sprechen soll", sagte Campana. Die Polizei-Gewerkschaft drohte unterdessen mit einem Streik bei Fußball-Spielen und erhielt von Ministerpräsident Prodi Rückendeckung: "Beim Fußball dürfen nicht permanent die Leben von Polizisten auf dem Spiel stehen."

© SID

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