„Alles hat gepasst“
WM schreibt deutsche Sportgeschichte

Kofi Annan sprach von der "besten WM aller Zeiten", Franz Beckenbauer meinte: "Alles hat gepasst". Die vier emotionalen Wochen im Sommer 2006 gehen als triumphaler Erfolg in die deutsche Sportgeschichte ein.

Das Sommermärchen Fußball-WM hat das Land der Dichter und Denker grundlegend verändert. Die Xviii. Weltmeisterschaft, die zweite WM-Endrunde nach 1974 in Deutschland, geht als triumphaler Erfolg in die deutsche Sportgeschichte ein. Am Sonntag wurde die deutsche Nationalmannschaft nach dem 3:1 gegen Portugal im Spiel um Platz drei auf der Berliner Fan-Meile von einer halben Million Fans als "Weltmeister der Herzen" verabschiedet. Es war der emotionale Höhepunkt des Großereignisses, das Mill. in den letzten vier Wochen in seinen Bann gezogen hatte.

"Auch wenn Deutschland nicht im Finale stand, hat es schon gewonnen, denn es hat die beste WM aller Zeiten ausgerichtet und die Nation in dieser Anstrengung vereint", hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan das Turnier der Superlative gelobt, das Deutschland 31 Tage lang in einen Fußball-Rausch versetzt hatte.

"So stellt sich der Liebe Gott die Welt vor"

Die WM lieferte den Beweis dafür, dass auch die Deutschen euphorisch, ausgelassen und vor allem friedlich feiern können. "Es hat alles gepasst. Bei den Fanfesten haben unterschiedliche Rassen, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Religionen nebeneinander gestanden. So stellt sich der Liebe Gott die Welt vor, auch wenn wir in der Realität noch 100 000 Jahre davon entfernt sind", resümierte WM-OK-Präsident Franz Beckenbauer.

"Die Welt zu Gast bei Freunden" - wohl noch nie wurde ein WM-Motto so überzeugend umgesetzt. Freundlichkeit, Fröhlichkeit und Kreativität wurden aller Orten gelebt. Weit über 32 Mrd. TV-Zuschauer weltweit nahmen Notiz von der größten Image- und Werbekampagne, die Deutschland je erlebt hat. "Es war eine brillante Organisation und eine hervorragende WM. Es war die beste Weltmeisterschaft", resümierte Dosb-Präsident Thomas Bach.

Selbst das Wetter spielte mit

"Kaiser Franz" Beckenbauer hat sich dabei als Macher der WM 2006 in Deutschland endgültig unsterblich gemacht, nachdem er als Kapitän der Weltmeistermannschaft von 1974 und Teamchef der Weltmeistertruppe von 1990 schon markante Triumphe vorzuweisen hatte. Die Art und Weise, wie die WM organisiert und durchgeführt wurde, setzte Maßstäbe. "Alles hat gepasst", bilanzierte Beckenbauer und wies auch auf das Wetter hin: "Mit dem Eröffnungsspiel ist der Sommer eingezogen, nachdem wir vorher noch im Wintermantel rumgelaufen sind und die Schneefallgrenze bei 800 Metern lag."

Bilder von der Feier auf der Berliner Fanmeile

Sicherlich auch ein Mosaiksteinchen im deutschen WM-Erfolgsgefüge. Ein weiteres wichtiges war das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft. Die Ankündigung von Bundestrainer Jürgen Klinsmann bei seinem Amtsantritt knapp zwei Jahre zuvor ("Wir wollen Weltmeister werden") war keine hohle Phrase. Mit begeisterndem Offensiv-Fußball lösten Ballack und Co. nie erwartete Euphoriewellen von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen aus. Selbst das Halbfinal-Aus gegen Italien, der zerstörte Traum vom vierten WM-Triumph, war kein Beinbruch.

Köhler: "In die Herzen der Deutschen gespielt"

Bundespräsident Horst Köhler sprach den deutschen Anhängern mit seinem Fazit aus der Seele: "Es hat nicht gereicht - aber Sie haben sich trotzdem in die Herzen der Deutschen gespielt." Auch Kanzlerin Angela Merkel wurde während des deutschen Sommermärchens zum richtigen Fußball-Fan und empfing am vergangenen Mittwoch eine Abordnung der DFB-Auswahl im Bundeskanzleramt.

"Sie haben sich um Deutschland unendlich verdient gemacht", lobte Merkel. Das Auftreten der Nationalmannschaft habe Vorbildcharakter. Die "Klinsmänner" sorgten im ganzen Land für eine Aufbruchsstimmung, die man den Deutschen als ständigen Nörglern und Pessimisten kaum noch zugetraut hatte.

Bilder von der Feier auf der Berliner Fanmeile

Die Mrd.-Investitionen in die WM erwiesen sich als gut angelegt. Für 1,5 Mrd. Euro wurde zwölf Stadien neu gebaut oder renoviert, 3,7 Mrd. Euro flossen in die Infrastrukturmaßnahmen. Das ursprünglich auf 430 Mill. Euro kalkulierte Budget des deutschen WM-OK wurde dank der nahezu 100-prozentigen Stadionauslastung um 20 Mill. übertroffen.

Sicherheitskonzept ging auf

Darüber hinaus verlief die WM trotz großer Befürchtungen im Vorfeld in punkto Sicherheit reibungslos. "Bei der WM wurde der Beweis erbracht, dass Fröhlichkeit und Sicherheit nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern sich gegenseitig bedingen", resümierte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Das Sicherheitskonzept ging 100-prozentig auf, die Zusammenarbeit mit ausländischen Polizei-Delegation funktionierte reibungslos.

Englische und polnische Hooligans wurden frühzeitig aus dem Verkehr gezogen. Die meisten Probleme bereiteten einige wenige deutschen Randalierer, aber auch dieser Splittergruppen konnten die gute WM-Stimmung nicht trüben.

© SID

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