Alles oder nichts
Tunesien und Saudi-Arabien im "Endspiel"

Gleich zum WM-Auftakt geht es für Tunesien und Saudi-Arabien um alles oder nichts: Nur wer das Duell gewinnt, hat eine kleine Chance auf das Achtelfinale.

Tunesien und Saudi-Arabien sind die großen Außenseiter in der Gruppe H, nur wer das arabische Bruderduell heute (18.00 Uhr/live im ZDF und bei Premiere) gewinnt, hält sich die kleine Chance auf den Einzug ins Achtelfinale offen. Die traditionelle Freundschaft beider Länder wird deshalb für 90 Minuten ruhen. "Wir sind zwar arabische Brüder - aber nicht im Fußball", betonen die Tunesier unisono.

Doch der wichtigste Spieler der Nordafrikaner, Stürmerstar Silva Dos Santos, fällt verletzt aus. Nach einem Foul im letzten Testspiel gegen eine Bayern-Auswahl verließ er unter Tränen den Platz: Er wusste, dass er zumindest die vorentscheidende WM-Partie verpassen würde. Dos Santos traf in 28 Länderspielen 18-mal, und in Tunesien befürchten viele, dass kein Spieler im Kader der "Adler von Karthago" in die Rolle des Torjägers schlüpfen kann.

"Silva ist nicht zu ersetzen"

Sein Ersatz, der erst 19-jährige Yassine Chikhaoui, weiß, welcher Druck auf seinen Schultern lastet. "Silva ist nicht zu ersetzen. Aber ich werde alles versuchen, um gut zu spielen", sagt er. Mannschaftskamerad Jawhar Mnari traut dem Youngster eine gute Rolle zu. "Er ist ein Riesentalent", meint der Mittelfeldspieler vom 1. FC Nürnberg. Die Unterstützung seiner Teamkollegen jedenfalls ist Chikhaoui gewiss. "Wir sind eine verschworene Gemeinschaft", sagt Mnari: "Stärker in der Offensive sind wir auch ohne Santos, das wird den Unterschied ausmachen."

Es wäre erst der zweite Sieg der Tunesier bei einer WM-Endrunde. Der erste glückte gleich bei der Premiere 1978, als Tunesien beim 3:1 gegen Mexiko als erstes afrikanisches Team überhaupt einen WM-Sieg einfuhr. Dennoch scheiterte die Mannschaft damals in der Vorrunde. Entsprechend klar formuliert ist das Ziel 2006: Achtelfinale! "Wir haben einen Traum und dafür arbeiten wir hart. Und vielleicht geht dieser Traum ja schon dieses Mal in Erfüllung", sagt Trainer Roger Lemerre, der erst am Sonntag seinen Vertrag beim Afrikameister von 2004 um zwei Jahre verlängert hat.

Auch die Saudis träumen. Verbandspräsident Prinz Sultan Bin Fahad Bin Abdul Aziz will auf seine Weise nachhelfen: Für jedes Spiel bei der WM in Deutschland erhält jeder Spieler 100 000 Rial (ca. 21 000), für den Achtelfinaleinzug gäbe es zusätzlich 300 000 Rial.

Al-Jaber ist fit

Während Tunesiens Stürmerstar die Partie von der Bank aus verfolgen muss, hat sich sein saudi-arabisches Pendant rechtzeitig von einer Knieverletzung erholt. Sami Al-Jaber, Rekordspieler und-torjäger seines Landes, hat das Team von Trainer Marcos Paqueta mit drei Toren in der entscheidenden Qualifikations-Phase überhaupt erst nach Deutschland geschossen.

Und der Angreifer ist sich sicher, dass sein Team die Schmach von 2002, als die "grünen Falken" nach dem 0:8 zum Auftakt gegen Deutschland auch gegen Kamerun und Irland ohne eigenes Tor verloren, vergessen machen wird. "Das ist immer noch ein großes Thema bei uns zu Hause und eine schlimme Erinnerung. Aber ich bin mir sicher, dass das Team viel weiter ist als vor vier Jahren", sagt Al-Jaber. Der 35-Jährige träumt mit seinem ganzen Land von der Wiederholung des Coups von 1994, als Saudi-Arabien mit Al-Jaber das Achtelfinale erreichte.

© SID

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