Allianz-Arena
Der Magnet

Bier ist hier teurer als auf dem Oktoberfest, aber die Frauenkirche hat dennoch ausgedient. Die Allianz-Arena ist das neue Wahrzeichen Münchens - und bald geht sie sogar auf Welttournee im Maßstab 1:20.

MÜNCHEN. München leuchtet - von Norden her. Aus dem 19. Stock des höchsten Hauses der Stadt ist die Arena in den Nächten des FC Bayern ein rotes Juwel, zum Staunen schön. Anziehend. Noch jeder Fan, der sich, aus der U 6 kommend, über den grünen Hügel der beleuchteten Kampfbahn nähert, hat diese Anziehungskraft verspürt, den Sog, als strömte die Masse von selbst hinein. So lädt sich die Arena, an sich ja eine eiskalte Erscheinung, mit Menschen und Emotionen auf, ein Bauwerk als immer neues Erlebnis, Architektur als Ereignis.

Wenn es das Wesen eines Wahrzeichens ist, Wahrnehmung von fern und nah zu beherrschen und Tage später noch als Bild präsent und damit wahr zu sein, dann hat München ein neues Wahrzeichen. Die Frauenkirche, sie hat ausgedient.

Morgen hat die Allianz-Arena ihren größten Auftritt: das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft. Morgen wird das Werk der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron zum Weltereignis. Manchmal scheint es schon, als würde diese Architektur den Fußball selbst in den Hintergrund drängen. Dabei ist die Arena doch nur ein Fußballstadion - und gerade deshalb so faszinierend.

Die Zahlen: Die Arena, das sind 22 000 Tonnen Stahl, 350 Betonstützen, 25 344 Leuchtstoffröhren, 100 Kilometer Kabel, ein 5 300 Tonnen schweres Dachgerüst und 2 874 rautenförmige Kissen aus 0,2 Millimeter dünnem Ethylen-Tetrafluorethylen, die, mit 0,0325 Bar aufgepumpt, aus dem Ganzen so etwas wie die größte Luftmatratze aller Zeiten machen. Ein Stadion der Superlative, das sich dafür nicht zu schämen braucht.

Die Logen: Wer die Faszination morgen erleben will, wenn Ballack & Co. einlaufen, der kann sich glücklich schätzen, nicht zu den zu gehören, die für schätzungsweise 8 000 Euro in den Sponsoren-Bereich oder gar eine der Nobel-Logen eingeladen wurden. Jede einzelne der 106 Séparées haben Innenarchitekten entworfen. Die Vierfachloge der Allianz ahmt mit viel Lack und Kunststoffmobiliar das Innere der Arena nach - und erinnert doch an ein italienisches Möbelhaus. Hier wie überall im Oberrang gibt es Sekt, Wein und auch Bier und immer gutes Essen. Es duftet nach Lachs und Rinderlende. Und treibt es den Gast dann trotz der großen Flachbildschirme raus auf einen Sitzplatz, kann er nur ahnen, dass unten auf dem Rasen im Schweiße des Angesichts Geld verdient wird. Für einen Fan aus dem Ruhrgebiet hat so etwas mit Fußball nichts mehr zu tun.

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