Am Mittwoch Pokalspiel in Berlin
Die Rückkehr des Spaßfußballs

Manchmal sind es die kleinen, fast schon selbstverständlichen Gesten im Umgang miteinander, die den Unterschied ausmachen. Und sogar Wunder bewirken können. Das „Gladbach-Wunder“ jedenfalls hat die „Bild am Sonntag“ am vergangenen Wochenende ausgemacht. Denn die Borussia, in den vergangenen Jahren meist unfreiwilliger Teilnehmer am Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga, stellt nach dem 4:1-Sieg gegen Kaiserslautern mit 13 Punkten aus fünf Spielen die „Top Mannschaft des Monats Oktober“.

MÖNCHENGLADBACH. Macht man sich auf die Suche nach den Gründen, dann landet man ganz schnell bei besagten kleinen, vermeintlich beiläufigen Gesten und bei Trainer Horst Köppel. Wie der 57-Jährige tickt, der bei Gladbach vor seiner Ernennung zum Chef-Trainer das Amateur-Team betreute, verrät schon die Begrüßung. Ob man nicht auch etwas essen wolle, fragt Köppel. Und dann: „Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich während des Interviews eine Kleinigkeit esse, ich hatte heute noch kein Frühstück?“ Macht es nicht, und schon allein die Tatsache, dass er überhaupt fragt, unterscheidet Köppel vom Gros der Liga-Gewaltigen. Köppel versteht Journalisten nicht als lästige Bittsteller, sondern als Gäste. Und die behandelt man eben erst einmal höflich.

Fragt man ihn nach dem „Gladbach-Wunder“, dann nennt er als wichtigste Faktoren „das Gemeinschaftsgefühl und den Glauben daran, dass wir es nur zusammen schaffen können“. „Sehen Sie sich hier um“, lädt Köppel bei Möhreneintopf und Hackbraten mit einer ausholenden Handbewegung durch den Speisesaal in den Katakomben des Borussenparks ein. „Ich lege großen Wert darauf, dass wir mittags hier gemeinsam essen. Keiner fängt an, bevor nicht alle am Tisch sitzen. Das hat für mich etwas mit Respekt vor einander zu tun.“

Seine Spieler scheinen ihn zu verstehen. Thomas Broich etwa, von vielen Kritikern bereits abgeschriebenes einstiges „Fußball-Wunderkind“, jetzt aber zurück auf dem Weg zum Stammspieler, bestätigte gerade in einem Interview: „Köppel hat zusammen mit dem Trainerstab ein anderes Arbeitsklima geschaffen als unter Dick Advocaat, dessen Umgangsform sicher rauer war. Wir haben uns zu einer Einheit gefunden. Jetzt kommt jeder mit Spaß zum Training.“

Und „keiner spielt den beleidigten Max, wenn er am Samstag mal nicht spielt“, freut sich der Trainer, der „viele Einzelgespräche“ geführt hat. So zeigte sich Mannschaftskapitän Jeff Strasser einsichtig, als er auf die Ersatzbank verbannt wurde. „Jeff war schon sauer“, sagt Köppel, „aber er hat nicht herum gestänkert, sondern sich im Training so reingehauen, dass ich nicht an ihm vorbei konnte.“ Und als Broich gegen Kaiserslautern alleine den Abschluss suchte, dabei den besser postierten Kahé aber übersah, da nahm der brasilianische Hüne den kleinen Mittelfeldrenner gar tröstend in den Arm.

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