Analyse zur Fifa-Razzia
Der Teflon-Blatter

Jahrelang haben Behörden gegen den Weltfußballverband Fifa ermittelt. Nun wurden in Zürich hochrangige Funktionäre verhaftet. Doch einer bleibt unangetastet: Fifa-Präsident Sepp Blatter. Sein System schützt ihn.
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DüsseldorfDer Zeitpunkt, an dem die Ermittler zuschlugen, war wohl gewählt: Am frühen Mittwochmorgen begaben sich Vertreter der Schweizer Polizei, in zivil und so diskret wie möglich, in das Zürcher Nobelhotel Baur au Lac. Sieben Personen wurden festgenommen. Gegen sie liegen Haftersuche aus den USA vor. Pikanterweise sind die Herren hochrangige Funktionäre des Weltfußballverbandes Fifa, darunter die beiden Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo. Sie wurden am Rande der Jahrestagung des mächtigen Verbands festgenommen, kurz vor der Wiederwahl des umstrittenen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter. Ermittelt wird gegen insgesamt 14 Personen – Stand jetzt. Das jedoch war nur der erste Streich der Behörden.

Der zweite Schlag gegen die Fifa: Nur wenige Stunden später eröffnete die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Dabei wurden im Hauptquartier des Weltverbandes in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt.

Warum gerade jetzt? Die Ermittler nutzten offenbar den Zeitpunkt, an dem sich alle Funktionäre an einem Ort befinden, der ein Auslieferungsabkommen mit den USA besitzt. Spekulation ist, ob dies irgendetwas mit der Wiederwahl von Blatter zu tun haben könnte. „Das Timing ist nicht das beste“, sagte Fifa-Medienchef Walter de Gregorio unfreiwillig vielsagend. Grundsätzlich begrüße man aber die Maßnahme.

Dass die Razzia der Behörden ein Schlag gegen das System Blatter sein könnte, wünschen sich zwar viele Blatter-Gegner. Doch bisher gibt es dafür wenig Anzeichen. Laut Schweizer Behörden bestehe kein Zusammenhang zwischen beiden Verfahren. Allerdings wirkt die Aktion nach außen wie der mythische Versuch, der Hydra Fifa den Kopf abzutrennen.

Mit den Mitteln des Wahlkampfs war dem Fifa-Herrscher Blatter bisher nicht beizukommen. Die Wiederwahl des 79-jährigen Sonnenkönigs des Weltfußballs gilt als sicher. Der Schweizer hat die Fifa reich gemacht, und damit auch deren Mitgliedsverbände. Die Einnahmen aus Fernsehgeldern und Marketingrechten sprudeln. Und das Geld fließt auch noch in den kleinsten Verband.

Blatter hat durch die Zentralvermarktung der Fifa gerade den kleinen Mitgliedsländern eine unersetzliche Geldquelle eröffnet. Ebenso haben alle Verbände gleiches Stimmrecht. Egal, ob es der große, kritische DFB ist oder der Landesverband von Trinidad und Tobago. So überrascht die breite Unterstützung für Blatter in erster Linie in Europa, wo die Verbände zwar ebenso üppig von der Fifa entlohnt werden, aber in der Uefa eine eigene Dachorganisation haben.

Kommentare zu " Analyse zur Fifa-Razzia: Der Teflon-Blatter"

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  • Hochrangige Funktionäre verhaftet ???

    Die Rechtsgrundlage scheint mir aber etwas mager dargestellt.

    Dafür sind einige Zufälle verdächtig
    - Die USA zieht die Strippen
    - Die USA / EU hat sich mit RU verkracht
    - Die USA und EU sehen Katar als kritisch an

    Wenn die Lage aus Sicht der USA und EU so bleibt, dann findet die WM 2018
    in RU ohne den Westen statt.
    Das geht schon mal gar nicht. Noch Fragen???

    Ich sehe hier ganz andere Interessen mit den Verhaftungen.

  • Das wird die Fußball Nation Katar schwer erschüttern

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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