Andrea Pirlo
Das letzte Gefecht des „stillen Anführers“

Der alte Mann und die alte Dame: Andrea Pirlo kann den Herbst seiner Karriere mit dem Champions-League-Sieg mit Juventus Turin krönen. Doch vor dem Finale in Berlin wartet der größte mögliche Brocken auf die Italiener.
  • 0

TurinSelbst sein sechster Meistertitel und das bevorstehende wohl wichtigste Spiel der Saison konnten Andrea Pirlo nicht aus der Ruhe bringen. „Vielleicht wird es vor dem Anpfiff einige Emotionen geben. Aber dann nur für wenige Minuten, dann wird nichts anderes mehr existieren als dieses Spiel“, sagte der Mittelfeldspieler von Italiens Meister Juventus Turin vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid am Dienstag (20.45 Uhr). Die Chance auf das Endspiel sieht der Fußball-Profi bei „50 Prozent“ - für ihn wäre es das vierte Königsklassen-Endspiel und „die Vollendung eines Traumes“.

Dreimal stand der italienische Nationalspieler mit dem AC Mailand bereits im Finale der Champions League, 2003 und 2007 holte er mit den Lombarden den Titel. Doch dem Mittelfeldstar liegt viel daran, sich auch mit Juventus Turin nach dem Vorrunden-Aus im vergangenen Jahr in der Champions League zu beweisen. „Wir sind verdient hier und wir treten auf Augenhöhe mit Real an“, erklärte er selbstbewusst. „Wir werden besonnen, aber frech auftreten, weil wir einen Traum Realität werden lassen wollen und nichts zu verlieren haben.“

Dieser Traum könnte sich für Pirlo am Ort des bislang größten Triumphes seiner Karriere erfüllen: Dem Olympiastadion Berlin. 2006 gewann er mit der Squadra Azzurra hier den Weltmeister-Titel. Gelingt Juve gegen Real der Finaleinzug, könnte Pirlo sich am selben Ort auch zum europäischen Club-Champion krönen. Doch von Sentimentalitäten wollte er vor dem wichtigen Halbfinal-Hinspiel nichts wissen. „Ich bin nicht gerührt. Ich habe große Lust auf dieses Spiel“, stellte er klar.

Von seinen Mitspielern erhielt Pirlo den Spitznamen l’architetto („der Architekt“), Italiens Weltmeistertrainer Marcello Lippi prägte den Ausdruck leader silenzioso („stiller Anführer“).

Um gegen den derzeitigen Tabellenzweiten der spanischen Primera División bestehen zu können, kommt es für Juves Trainer Massimiliano Allegri auch auf seinen Regisseur an. Gemeinsam mit Kapitän Gianluigi Buffon ist Pirlo mit seinen 135 Königsklassen-Einsätzen einer der erfahrensten im Team und das Herz der Mannschaft. Auch deshalb schonte Allegri seinen Schlüsselspieler zuletzt in der Meisterschaft. Seinen fünften Titel in Serie - nach einem Triumph mit dem AC Mailand und vier mit Juventus Turin - feierte Pirlo auf der Ersatzbank.

In der Nationalelf gab Pirlo trotz seiner Rücktrittsankündigung nach der verkorksten WM ein Comeback - und auch im Verein denkt er noch nicht ans Aufhören. „Ich hoffe, so lange spielen zu können, wie ich Lust habe zu trainieren und es mir gut geht“, sagte er. Doch der Gewinn der Königsklasse mit Juve „könnte wirklich der beste Moment sein, um dieses Kapitel zu beenden.“ Spekulationen über eine mögliche Zukunft in den USA wollte Pirlo jedenfalls nicht dementieren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Andrea Pirlo : Das letzte Gefecht des „stillen Anführers“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%