Anstoß - Bundesliga-Kolumne
In Hannover herrscht Krieg mit den Fans

Nach der Niederlage gegen den BVB steckt Hannover 96 tief im Abstiegskampf. Dabei hat der Verein schon seit langem einen Nebenkriegsschauplatz: Die treuesten Anhänger verweigern dem Klub die Unterstützung.
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Mit der Niederlage gegen Borussia Dortmund ist Hannover 96 nun bereits seit zehn Bundesliga-Spielen ohne Sieg. In der Rückrunde sammelte das Team gerade einmal drei (!) Punkte. Doch nicht nur auf dem Platz sieht es meist mau aus bei 96, sondern auch auf der Tribüne. Seit Anfang der Saison ist es auf den Rängen mitunter mucksmäuschenstill, weil sich der Verein und die treusten Fans im Clinch befinden.

Der Streit entfachte sich an einem Banner mit dem Konterfei des Massenmörders Fritz Haarmann, der in Hannover zur Stadtfolklore gehört. Bis zur Saison 2012/13 war es dauerhaft in der 96-Fankurve zu sehen. Erst, als sich die Bild-Zeitung darüber echauffierte, erteilte Klub-Präsident Martin Kind ein Verbot für die Fahne.

Als diese dennoch weiterhin aufgehängt wurde, sprach 96 Stadionverbote gegen Fans aus, die laut den Ultras der Roten gegen nicht-öffentliche Absprachen mit Martin Kind verstießen. Die Ultras setzten sich mit einem Flyer zur Wehr, in dem sie ihren Unmut zeigten. Schließlich verbot der Verein auch die Verteilung dieser Flyer im Stadion.

Das ist jedoch nur ein Beispiel für das zerrüttete Verhältnis zwischen der 96-Klubführung und einem Teil der eigenen Fans. Ein ewiges Streitthema ist seit langem die Pyrotechnik. Nach dem Einsatz von Bengalos hob der Verein die Eintrittspreise für das Europa-League-Heimspiel im Februar 2013 gegen Anzhi Makhachkala um fünf Euro an, allerdings nur für Teile des Fanblocks. Hier sprach Klub-Präsident Kind von „selektiven Kollektivstrafen“.

Überhaupt scheut sich der Hörgeräte-Fabrikant Kind nicht vor deutlichen Äußerungen gegen Hannovers Anhänger. Nachdem der Ex-96er Emanuel Pogatetz bei einem Auswärtsspiel der Roten bei seinem Neu-Klub Wolfsburg mit üblen Worten bedacht wurde, polterte Kind: „Ein Teil unserer Fans sind Arschlöcher“.

Im April 2013 gab der Dachverband  „Rote Kurve“ der 96-Fans bekannt, sich aufzulösen. „In den Gesprächen ging es von 96-Seite zuletzt fast immer nur um das Thema Pyrotechnik. Man hatte das Gefühl: Ich kann hier noch Lichtjahre sitzen und werde trotzdem nicht verstanden“, sagte Rote-Kurve-Vertreter Andreas Beck der „Hannoverschen Allgemeine Zeitung“. Die Fanszene sah sich zu Unrecht als Sündenbock dargestellt.

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„Die Stimmung wird präsentiert von Kind-Hörgeräten“

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