Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne

Der Mann mit den magischen Handschuhen

Zuletzt schrieb er ein Kinderbuch und liebäugelte mit einem Wechsel in die USA: Timo Hildebrand hat mit Eintracht Frankfurt sein Liga-Comeback gefeiert. Die 2:3-Pleite gegen Hoffenheim geht dennoch auch auf seine Kappe.
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Zurück auf der Bundesligabühne: Eintracht-Torwart Timo Hildebrand. Quelle: dpa

Zurück auf der Bundesligabühne: Eintracht-Torwart Timo Hildebrand.

(Foto: dpa)

KölnDer kleine Noja träumt von einer Karriere als Profifußballer. Er will Stürmer werden, bis ihm sein Papa zum Geburtstag magische Torwarthandschuhe schenkt. Von da an will er nur noch Bälle halten. So beginnt das Kinderbuch von Timo Hildebrand. Der frühere deutsche Nationaltorwart schien schon mit seiner Bundesliga-Karriere abgeschlossen zu haben.

Dass Hildebrand den Glauben an seine eigene Torwartkarriere in der Bundesliga bereits so gut wie abgeschrieben hatte, beweist neben der Veröffentlichung des Kinderbuches auch die Tatsache, dass er in der kommenden Rückrunde gerne in der US-amerikanischen Major League Soccer (MLS) eine Ehrenrunde als Fußballpensionär drehen würde.

Als er im vergangenen Sommer bei seinem damaligen Verein FC Schalke keinen Vertrag mehr erhielt, hatte er mehrere Wochen beim MLS-Klub Seattle Sounders mittrainiert und sich für ein Engagement im Januar empfohlen. Zu einer Verpflichtung kam es aber nicht.

Denn Frankfurts Manager Bruno Hübner zeigte plötzlich Interesse. Hildebrand sagte kurzerhand zu, die Aussicht noch einmal Bundesliga spielen zu können, war zu verlockend. Er war allerdings als Backup vorgesehen. Seine Rückkehr auf die große Bundesligabühne galt als höchst unwahrscheinlich.

Doch vor seinem endgültigen Abschied aus der Bundesliga sollte er noch einmal in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit rücken: Nach mehr als einem Jahr Zwangspause stand Hildebrand am Freitag wieder zwischen den Pfosten seines neuen Vereins Eintracht Frankfurt – ausgerechnet gegen sein Ex-Klub Hoffenheim.

Das sind die besten Keeper der Welt
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Die IFFHS ermittelt jedes Jahr den besten Torwart des Jahres, der dann den Titel „Welt-Torhüter des Jahres“ tragen darf. Nun haben die Experten den besten Torwart des 21.Jahrhunderts gekürt. Dazu haben sie die Leistungen der besten Torhüter der vergangenen zwölf Jahre ausgewertet und dementsprechend Punkte verteilt. Unter die Top 15 haben es drei Deutsche geschafft.

huGO-BildID: 3808535 Italy's Francesco Toldo, left, signals the 2-2 score between Denmark and Sweden to his coach Giovanni Trapattoni, 2nd from left,
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Platz 15: Francesco Toldo

Der Italiener (links im Bild) wurde dank seiner Reaktionsfähigkeit und seiner vorausschauenden Spielbeteiligung berühmt. In seiner gesamten Laufbahn hatte Toldo 72 Elfmeter zu halten, von denen er zehn hielt. Bereits mit 13 Jahren entdeckte Francescos Trainer, dass er das Talent zum Torhüter hat - Toldo war zu der Zeit noch Abwehrspieler im Verein.

Punkte: 52

Germany Soccer Cup
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Platz 13: Manuel Neuer

Manuel Neuer ist aktuell Deutschlands Nr.1 im Tor. Der Nationaltorhüter spielt zurzeit bei Bayern München und ist ganz nebenbei noch ein aktiver Hobby-Tennisspieler. Sein größter Erfolg beim internationalen Fußball war bisher der dritte Platz mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 2010. Rechnet man seine Erfolge der letzten zwölf Jahre zusammen, kommt er bei der IFFHS auf Platz 13. Für das Jahr 2012 wurde er zum viertbesten Torwart der Welt gewählt.

Punkte: 53

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Platz 13: Rogério Ceni

Seinen größten Erfolg feierte der brasilianische Torhüter mit seiner Nationalmannschaft, als Brasilien 2002 in Südkorea/Japan Weltmeister wurde. Allerdings saß Ceni das ganze Turnier auf der Bank. Auch deswegen reichte es für den Brasilianer nicht in die Top 10.

Punkte: 53

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Platz 12: José Manuel Reina

Der spanische Torwart mit dem Spitznamen „Pepe“ wurde 2010 mit Spanien Weltmeister - allerdings auf der Bank als zweiter Torhüter.

Punkte: 54

Frankreich muss sein Torwart-Problem noch lösen - Fabien Barthez
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Platz 11: Fabien Barthez

Der französische Torwart gehört zu den wenigen Schlussmännern, die sowohl Europa- als auch Weltmeister wurden. Barthez gewann mit Frankreich den WM-Titel 1998 und den EM-Titel 2000. Zudem ist er einer der wenigen Keeper, die an zwei WM-Endspielen als Nummer 1 ihres Teams teilgenommen haben.

Punkte: 55

Brazil's Alves watches as his shot passes Argentina's goalkeeper Abbondanzieri to score their third goal in the Copa America soccer final in Maracaibo
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Platz 10: Roberto Carlos Abbondanzieri

Der argentinische Torwart hat seine Fußballkarriere im Januar 2011 beendet. Wegen seiner Gangart erntete er den Spitznamen „Die Ente“ („El Pato“), war im Tor aber stets behände. Bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland war er Argentiniens Nummer 1 im Tor.

Punkte: 68

Nach einer Syndesmose-Verletzung des Stammtorhüters Kevin Trapp und einer Erkrankung des Ersatzmannes Felix Wiedwald kam Hildebrand unverhofft zum Einsatz. Mittlerweile bärtig, verriet das Funkeln in seinen Augen den besonderen persönlichen Moment. Er fing Bälle, schoss Abstöße und spielte Pässe. Trotzdem ging die 2:3-Niederlage maßgeblich auf seine Kappe.

Die fehlende Spielpraxis machte sich bemerkbar und Hildebrand war an fast allen Gegentoren mitbeteiligt. Der Zauber des Comebacks hatte ihm und seiner Mannschaft nichts genützt. Denn auch bei alten Helden wie Hildebrand gilt die Fußballerweisheit: Wenn er rauskommt, muss er ihn haben.

Dass dies ausgerechnet beim entscheidenden Ball der Partie passierte, ist Pech für Frankfurt und Hildebrand. Dass der Ball nach einer Weltklasse-Reaktion von seinem Arm vor die Beine des Hoffenheimers Adam Szalai kullerte, war zwar weniger ungestüm als unglücklich. Am Ende des Tages sieht die Aktion aber dennoch böse aus. Insbesondere wenn sie, wie hier, über Sieg und Niederlage entscheidet.

Dennoch sah der ehemalige Nationaltorwart nach der Niederlage nicht unglücklich aus. Er hatte erreicht, was er wollte: Ein weiteres Spiel in der Bundesliga über 90 Minuten. Es war sein 299. Dass er die 300-Spiele-Marke noch knackt, gilt als höchst unwahrscheinlich, da Frankfurts Stammtorwart Trapp wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen ist.

Obwohl die magischen Handschuhe aus seinem Kinderbuch nur in Hildebrands Phantasie eine Rolle spielen, wird er die Hoffnung nicht aufgeben. Das Vorwort seines Kinderbuches gibt das Motto für die nächsten Tagen vor: „Das Wichtigste ist, dass ihr immer an euch glaubt.“

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