Anstoß – die Bundesliga-Kolumne
Die Borussia aus Dortmund ist nur noch ratlos

Auch die Champions-League-Trikots haben kein Glück gebracht. Beim 0:1 gegen Hannover 96 verpasst Borussia Dortmund die erhoffte Trendwende. Nach der vierten Bundesliga-Niederlage in Serie droht nun weiteres Unheil.
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DortmundAuf der Suche nach einem personifizierten Ausdruck für grotesk ambivalente Stimmungsschwankungen stößt man dieser Tage auf eine Mannschaft, die seit mehreren Jahren eigentlich für Erfolg steht: Borussia Dortmund. Doch wie kann es sein, dass eine derart leistungsstarke Elf in der Champions League wie eine europäische Spitzenmannschaft auftritt, national aber wie ein Abstiegskandidat daherkommt?

So wie in dieser Woche: Da flog die Mannschaft also am Mittwoch in die Türkei und fetzte Galatasaray Istanbul mit 4:0 vom Feld, als sei es das Selbstverständlichste von dieser Fußball-Welt. Vier Tage später, zurück im tristen Alltag, muss eine erneute Niederlage verarbeitet werden – 0:1 gegen Hannover 96. Es ist ja gewiss nicht so, dass der BVB an diesem 9. Bundesliga-Spieltag keine Chance gehabt hätte gegen die Niedersachsen. Im Gegenteil: „Vier, fünf Einhundertprozentige“ vernahm Dortmund-Trainer Jürgen Klopp im Verlauf der 90 Minuten.

Und wäre alles so vonstatten gegangen wie in den vergangenen Spielzeiten, hätten die Dortmunder dieses für sie so wichtige Spiel gewonnen und könnten die kommenden Wochen etwas entspannter angehen. So allerdings muss sich der BVB mehr denn je in eine Richtung orientieren, mit der er zuletzt nur rudimentäre Erfahrungen gemacht hat. Diese Richtung zeigt nach unten und heißt Abstiegskampf. Selten war ein Bundesliga-Verein weiter von seinen Saisonzielen entfernt als dieser. Doch mehr noch.

Spinnt man die Geschichte etwas weiter, so steht mehr auf dem Spiel als manch ein Dortmunder möglicherweise wahrhaben will. Nach dem drittschlechtesten Saisonstart der Klubhistorie sind die Champions-League-Plätze derzeit so weit weg wie Fortuna Köln vom DFB-Pokal. Doch gerade der europäische Wettbewerb ist eine der Geldquellen, aus der die Westfalen zehren. Eine kurzzeitige Abwesenheit aus der Königsklasse wäre zwar verkraftbar. Doch damit zusammenhängend geht es um mehr. Zum Beispiel um die Zukunft einiger Spieler wie Ilkay Gündogan oder Marco Reus, deren Verträge bald frisch verhandelt werden. Eine gute Verhandlungsbasis sieht anders aus.

Einer, den das betrifft, warnte trotz der miserablen Tabellensituation vor allzu großer Panikmache. „Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren“, floskelte Marco Reus. Nur zweimal stand die Borussia in ihrer langen Bundesliga-Geschichte nach neun Spieltagen schlechter da. Zudem gab es erstmals seit mehr als 14 Jahren wieder einmal vier Niederlagen in Serie. Sechs Niederlagen nach neun Spielen: Das gruselige Kunststück hat bislang nicht einmal der Tabellenletzte Werder Bremen vollbracht.

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