Anstoß - Die Bundesliga-Kolumne
#EchteLiebe – mehr als nur Marketing

Der BVB kann auch in einer seiner schwersten Krisen auf seine Fans zählen. Der Sieg gegen Gladbach sollte nicht auf Kramers Eigentor reduziert werden. Er war eine gelebte Demonstration des Vereins-Slogans „Echte Liebe“.
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DüsseldorfBVB-Coach Jürgen Klopp quollen die Freude und der Stolz an diesem Sonntagabend sichtlich aus jeder Pore. Und er wusste nach dem Schlusspfiff sofort, bei wem er sich für die drei Punkte zu bedanken hatte: Zum einen natürlich beim unglücklichen Eigentor-Kunstschützen Christoph Kramer, der aus knapp 45 Metern den Ball in den eigenen Kasten geschlenzt hatte.

Zum anderen bei seinen Spielern, die ausgerechnet gegen den Tabellendritten der Bundesliga ihre beste Saisonleistung gezeigt hatten. Borussia Mönchengladbach war zuvor nach 18 ungeschlagenen Partien und explosivem Konterfußball schon als der neue BVB bezeichnet worden. An diesem Abend machten die Fohlen aber keinen Stich.

Schließlich wandte sich Klopp der Südtribüne zu und formte mit den Händen ein Herz um das Vereinslogo auf seiner Trainingsjacke. Er zog seine Mütze als Zeichen der Anerkennung vom Kopf. Er wusste, dass es dieses Stadion war, das seine Spieler an diesem Abend und in den letzten Wochen trotz aller Misserfolge bedingungslos unterstützt hatte. Mehr als 80.000 Zuschauer in einem Stadion, in dem der Tabellenletzte ein Heimspiel austrägt, mit einer Geräuschkulisse, die auf der Welt ihresgleichen sucht.

Wenn man darauf hinweist, dass keiner in Dortmund nur von Luft und Liebe leben kann, dann ist das wahr. Weder ein Ciro Immobile noch ein Adrian Ramos stürmen für Luft und Liebe, kein Henrikh Mkhitaryan wechselt für Luft und Liebe nach Dortmund. Inzwischen sind es Dutzende Millionen Euro, die der BVB im Rahmen seiner Transfers bewegt, der Umsatz 2013/2014 betrug mehr als 260 Millionen Euro, der Kader ist mehr als 340 Millionen Euro wert.

Nichtsdestotrotz ist angesichts der Szenen nach dem Gladbach-Spiel auch wahr, dass der Vereins-Slogan „Echte Liebe“ nicht gänzlich „aus der Luft“ gegriffen ist. Bei allem sportlichen Erfolg und bei allen finanziellen Sphären, in die der BVB in den vergangenen Jahren vorgestoßen ist, existiert in Dortmund noch so etwas wie eine bedingungslose Loyalität der Fans zu ihrem Verein.

Spöttische Kommentare auf Facebook à la „Viel Spaß in der 2. Liga“ konterten die Fans in den vergangenen Wochen mit noch innigeren Treueschwüren. Das wissen Mannschaft und Trainer wohl zu schätzen. Als Klopp seine Spieler nach dem Schlusspfiff mit einer Trinkflasche nassspritzte, wanderten deren Blicke immer wieder zur Südtribüne.

Hier haben sich die Marketing-Experten des Vereins ihre Inspiration geholt. Und hier findet der Vereins-Slogan auch in den schwersten Zeiten seine Bestätigung. Das ist an diesem Sonntagabend einmal mehr bewiesen worden.

Anis Micijevic ist freier Journalist und schreibt für Handelsblatt Online. Quelle: Armin Dahl / Handelsblatt Online
Anis Micijevic
Handelsblatt / Spätdienst Online + Mobile

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