Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne
Ein Reus allein kann Dortmund nicht retten

Marco Reus bleibt dem BVB treu, verzichtet auf Millionen und spielt danach Weltklasse. Romantischer kann Fußball nicht sein. Doch wieder patzt die Mannschaft zwei Mal. Unerklärlich. Ein Kommentar.
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DüsseldorfUnter der Woche verlängerte Marco Reus seinen Vertrag in Dortmund. Statt nach der Saison für eine festgeschriebene Ablöse von 25 Millionen Euro ins Ausland zu wechseln, bleibt der Nationalspieler in Dortmund. Bis 2019 läuft sein neuer Vertrag, dieses Mal ohne Ausstiegsklausel. Dass er wirklich so lange bleibt, glauben selbst in Dortmund nur ein paar hoffnungslose Optimisten. Und dennoch: Sein Treuebekenntnis kurz vor dem Valentinstag ist ein Zeichen.

Auch außerhalb von Dortmund glauben Fans plötzlich wieder an so etwas wie Fußball-Romantik, so kitschig das im Millionengeschäft Fußball heutzutage auch klingen mag. Dass der BVB-Slogan „echte Liebe“ für einen, für „seinen“ Verein mehr wert sein kann als die Millionen von Real Madrid und Co., ist ein Glücksfall für Borussia Dortmund – und den Fußball in Deutschland.

Dabei war der nächste „Worst Case“ in Dortmund ganz nah: Wäre nach Mario Götze und Robert Lewandowski auch noch Marco Reus zu den Bayern nach München gewechselt, hätten nicht nur viele Millionen BVB-Fans kollektiv getrauert oder geschimpft. In Dortmund und Umgebung wäre es wohl endgültig vorbei gewesen mit dem Glauben an das Gute in die Jungs auf dem Platz.

Der Fall Reus ändert jedoch nichts am Muster. Profis wie Lewandowski sind unbestritten charakterlich stark. Aber es sind eben auch nur Stars aus dem Ausland. Jedem war klar, dass die Borussia für so einen nur eine Durchgangsstation nach ganz oben sein würde. Und Mario Götze? Dem nahm selbst in den Meisterjahren niemand so wirklich seine Identifikation mit dem BVB ab – obwohl von Kindesbeinen an in Dortmund ausgebildet.

Emotional war da nichts, was auf eine längere Beziehung zwischen Spieler, Fans und Verein hinwies. Das ist normal in dem Geschäft, auch wenn es sich die Fans anders wünschen. Wäre nun aber auch noch der „echte“, weil in Dortmund geborene Borusse Reus Richtung Bayern abgezogen, wäre der letzte Rest von Hoffnung bei den Fans kaputt gegangen. Hoffnung daran, dass es auch für die Spieler etwas Besonderes ist, für Borussia Dortmund spielen zu dürfen.

Die Vertragsverlängerung scheint nicht nur den Fans, sondern auch Marco Reus selbst eine Last von den Schultern genommen zu haben. Im Spiel eins nach der Unterschrift gegen Mainz zeigte er prompt seine beste Saisonleistung. Ein Tor und eine Vorlage standen am Ende des Spiels zu Buche, der erhoffte „Reus-Effekt“ ist tatsächlich eingetreten.

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