Anstoß – die Bundesliga-Kolumne
Kampf ist Trumpf

Rangeleien, Fouls und Gelbe Karten prägten das Spiel zwischen dem Hamburger SV und Bayer Leverkusen. Die Partie lieferte gleich zwei Negativrekorde und bot spielerisch fast nichts – war aber trotzdem absolut sehenswert.
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DüsseldorfIn der Bundesligapartie zwischen dem Hamburger SV und Bayer 04 Leverkusen passierte am Samstag etwas, das erst mal widersprüchlich klingt: Das Match hatte Extraklasse, obwohl spielerisch nicht viel zu bieten. Und warum? Sicher, ein paar Spielzüge waren sauber inszeniert. Ein paar Flanken und Pässe kamen an. Aber ans Herz gingen doch andere Aktionen.

Wunderbar, wie unerbittlich und eisenhart der HSV von der ersten Minute an verteidigte. Die Mannschaft von Joe Zinnbauer ging keinem Zweikampf aus dem Weg und zeigte etwas, dass die Fans in der Mitsch schon lange nicht mehr gesehen haben: Leidenschaft und Kampfgeist.

Wunderbar, wie sich die durch die Rückkehr des unwillkommenen Ex-Hamburgers Hakan Calhanoglu ohnehin schon aufgeheizte Atmosphäre auf den Rasen übertrug: Beide Teams schenkten sich nicht einen Meter. Etliche Rudelbildungen, 30 Fouls und sieben gelbe Karten alleine im ersten Durchgang (jeweils Saisonrekord) waren die Konsequenz.

Wunderbar, wie die gesamte Hamburger Bank nach Giulio Donatis rüdem Foul an Marcell Jansen aufsprang und der HSV-Pressesprecher den Coach mit Catcher-Griff davon abhalten musste, „ein paar nette Worte“ mit Bayer-Trainer Roger Schmidt zu wechseln.

„Schockierendes Spiel!“ jaulten aber die Leverkusener – und schoben die Schuld für die 0:1-Niederlage dem Schiedsrichter in die Schuhe. Schmidt fühlte sich an eine „Treibjagd“ erinnert, Sportchef Rudi Völler sprach davon, vom Unparteiischen nicht ausreichend „geschützt“ worden zu sein.

Dass ihrer Mannschaft ebenfalls mehr als einmal die Rote Karte erspart blieb, darüber verlor keiner der Verantwortlichen auch nur ein Wort. Immerhin Stefan Kießling suchte den Fehler in der eigenen Leistung: „Wir haben uns von der Hektik anstecken lassen, das war nicht gut. Es war ein beschissenes Spiel von uns.“

Auch in den sozialen Netzwerken wurde die aggressive Spielweise der Hamburger heiß diskutiert. Viele Bayer-Fans befürchten, dass sich andere Teams ein Beispiel an der harten Gangart nehmen könnten. Hoffentlich haben sie damit recht. Denn wenn die fußballerischen Fähigkeiten der Spieler nicht ausreichen, müssen wenigstens Kampf und Emotionen geboten werden. Niemand will Spielern zusehen, die beim Stümpern höchstens durch krankhafte Fairness auffallen.

Michael Verfürden
Michael Verfürden
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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