Anstoß – Die Bundesliga-Kolumne
Warum Jay Z jetzt Boateng managt

Fußball erreicht den Hiphop: Jay Z hat das Kicken entdeckt. Der US-Rapper wird neuer Manager von Jérôme Boateng. Der freut sich, er will schließlich zur globalen Marke werden. Gefeiert wurde stilecht – in Brooklyn.
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Essen 2,8 Millionen Fans auf Facebook, Weltmeister, Champions-League-Sieger: Jérôme Boateng ist nicht gerade ein Risiko-Investment. Und dennoch ist der deutsche Nationalspieler mit ghanaischen Wurzeln so etwas wie ein Experiment für einen reichen Geschäftsmann aus den USA. Boateng ist der erste europäische Sportler, den die Rap-Ikone unter Vertrag nimmt.

Der Bayern-Profi unterschrieb in New York einen Vertrag beim Entertainmentverlag „Roc Nation“, der gehört Jay Z. Der Rapper ist nun Boatengs neuer Manager. Gefeiert wurde stilecht – in Brooklyn. Dem Stadtteil, der früher berühmtberüchtigt für Bandenkriege war, mittlerweile aber wegen der attraktiven Lage im Portfolio vieler Immobilienhaie zu finden ist.

Diese Entwicklung passt zu Jay Z und Boateng. Der 45-jährige Rapper stammt aus armen Verhältnissen. Heute beträgt sein Vermögen rund 400 Millionen Dollar. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Pop-Ikone Beyoncé Knowles, bildet er das erste Milliarden-Dollar-Ehepaar des internationalen Musikbusiness. Alles was Jay Z anpackt wird zu Gold. Dafür sprechen allein seine 18 Grammys.

Bei Boateng verhält es sich nicht wirklich anders: Seine Herkunft ist die Straße, sein neues Leben: der Glamour. Milliardär ist er zwar nicht, doch seine Jugend ließ ebenfalls nicht auf ein prall gefülltes Bankkonto hoffen. Aufgewachsen im Wedding, kickte sich der kleine Jérôme von den Berliner Bolzplätzen hinauf in die Spitze des deutschen Fußballs. Seither ist er Rap-Fan.

Außerdem pflegt Boateng ein Glamourimage: Bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika beeindruckte er die Fotografen in der Mixed Zone mit einem mit Juwelen und Strass besetzten Rucksack. Auf seinen Autositzen prangt das Logo „JB“. In seiner Münchener Villa sollen mittlerweile zwei Zimmer seine Schuhsammlung von 700 Paaren beheimaten. Das Magazin „GQ“ kürte ihn zu Beginn des Jahres zum stilvollsten Mann der Bundesrepublik.

Dass ihm in Sachen Marketing bislang einige Kollegen voraus waren, passt eigentlich nicht zu dem umtriebigen Boateng. Nun will er eine globale Marke werden. Die Kooperation zwischen Boateng und Jay Z ist dafür der richtige Weg. Schließlich passen die beiden perfekt zusammen, wie Boateng auf Instagram auch optisch unter Beweis stellte.

Für Jay Z ist Fußball-Management zwar Neuland, als Fan kennt er sich mit dem Sport allerdings gut aus. Falls doch einmal Fragen aufkommen, bekommt er nun Anschauungsmaterial auf der anderen Seite des Atlantiks. Boateng hat ihn nach München eingeladen. Jay Z sagte zu. Vielleicht dürfen wir die beiden bald im Kabinengang Arm in Arm herumschlendern sehen.

Und wer weiß: Vielleicht taucht Bayerns Abwehrhüne bald in einem Rap-Video von Jay Z auf. Neuland wäre das für ihn nicht. Sein Bruder George Boateng, nicht zu verwechseln mit dem auf Schalke suspendierten Kevin-Prince Boateng, veröffentlichte jüngst sein erstes Rap-Album. Im Musikvideo zu sehen: Jérôme Boateng.

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